Wir trauern um: Roswitha Matwin-Buschmann
Ein Nachruf von Ines Kinga Krause
Foto: Anneke Hymmen und Kumi Kiro
Mit Roswitha Matwin-Buschmann verliert die literarische Übersetzerlandschaft eine Stimme, die über Jahrzehnte hinweg zwischen Sprachen, Kulturen und literarischen Traditionen vermittelte. Geboren am 20. Juni 1939 in Trier, führte ihr Lebensweg früh in den Osten Deutschlands, nach Zittau, wo sie während der Schulzeit Polnisch lernte – eine Entscheidung, die ihre spätere berufliche Laufbahn maßgeblich prägen sollte.
Nach dem Studium von Polnisch und Russisch an der Karl-Marx-Universität Leipzig, das sie 1961 als Diplomdolmetscherin und -übersetzerin abschloss, arbeitete sie zunächst im diplomatischen Dienst der DDR, unter anderem in Breslau und Warschau. Bald wandte sie sich jedoch der literarischen Arbeit zu: als Lektorin für slawische Literaturen und schließlich als freiberufliche Übersetzerin, Gutachterin und Redakteurin. Ihre erste literarische Übersetzung erschien 1967 mit Stanisław Lems Der Unbesiegbare, womit zugleich ihre langjährige Nähe zum Science-Fiction-Genre begann.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Matwin-Buschmann zu einer vielseitigen Literaturübersetzerin, die überwiegend aus dem Polnischen und in geringerem Umfang aus dem Russischen ins Deutsche übertrug. Insgesamt entstanden mehr als achtzig Buchübersetzungen sowie Dramen, Erzählungen und zahlreiche Beiträge zu unterschiedlichen literarischen Gattungen. Ihre Hauptschaffensphase lag in den 1970er- und 1980er-Jahren; zugleich engagierte sie sich als Gutachterin und Vermittlerin polnischer Literatur im deutschsprachigen Raum.
Ihr Lebensweg war eng mit dem Pendeln zwischen Berlin und Warschau verbunden, ein Dasein, das sie selbst als „Grenzgängerin“ zwischen Sprachen und Kulturen beschrieb. Auch nach den beruflichen Umbrüchen der Nachwendezeit hielt sie am Übersetzen fest und blieb der literarischen Vermittlung treu. 1995 wurde sie Vollmitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
Für ihre Arbeit erhielt Matwin-Buschmann zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Medaille für Verdienste um die polnische Kultur, mehrere Übersetzerprämien des Verlags Volk und Welt sowie den Johann-Heinrich-Voß-Preis. Ihre Übersetzungen wurden für Genauigkeit, Engagement und stilistische Sensibilität gewürdigt.
Mit ihrem umfangreichen Œuvre und ihrem Engagement für die Vermittlung polnischer Literatur hat Roswitha Matwin-Buschmann die deutschsprachige Übersetzungskultur nachhaltig geprägt. Ihr Werk bleibt als Ausdruck eines lebenslangen Dialogs zwischen Sprachen und Literaturen bestehen. Roswitha Matwin-Buschmann verstarb am 3. Dezember 2025 und hinterließ ein Lebenswerk, das als leise, beständige Brücke zwischen den Literaturen weiter wirkt.
Ines Kinga Krause im Frühjahr 2026
Der Eintrag zu Roswitha Matwin-Buschmann im Germersheimer Übersetzerlexikon (UeLEX) findet sich unter diesem Link.
(5.5.2026)