Die Barke ist ein undotierter Preis in Form eines jährlich eigens geschaffenen Kunstwerks und zeichnet Persönlichkeiten des literarischen Lebens aus, die sich um die Literaturübersetzer*innen verdient machen.

Alle Literaturübersetzer haben zwei enge Arbeitspartner: Autor*in des Originals und Lektor*in der Übersetzung. Das zu durchdringende Original steht fest und verkörpert die Aufgabenstellung für das Übersetzen. Bei dem Prozess, den übersetzten Text zu einem literarisch ebenbürtigen Werk auf Deutsch zu machen, sind wir auf sprachmächtige, einfühlsame, unbestechliche Lektor*innen wie Katharina Raabe angewiesen. Sie beherrscht den Balanceakt zwischen einem respektvollen Umgang mit dem Kosmos übersetzerischer Ideen und dem unbeirrt nachfragenden, zuweilen beherzten Eingreifen im Geist des Originalwerks auf das Subtilste. Ihr ist es über die Jahre sogar gelungen, in der schwierigsten Teildisziplin des Übersetzungslektorats quasi zu einer „Königin ohne Land“ zu werden – der Arbeit an Übersetzungen, deren Ausgangssprache sie nicht beherrscht. Es braucht einen untrüglichen Instinkt im Deutschen, um die Stellen zu entdecken, die in sich literarisch noch nicht schlüssig funktionieren. Und es braucht das Vertrauen der Übersetzer*innen, damit die Zusammenarbeit gelingt. Für beides ist Katharina Raabe berühmt.

Ursprünglich Geigerin, studierte Philosophin und seit 1983 Verlagslektorin, zunächst bei Arche, dann bei Rowohlt Berlin und seit 2000 im Suhrkamp Verlag, hat Katharina Raabe die osteuropäische Literatur zu ihrem Fachgebiet gemacht und für deren Förderung und Verbreitung in Deutschland 2007 das Bundesverdienstkreuz erhalten, 2015 folgte der Deutsche Sprachpreis. Unter ihren Veröffentlichungen hervorzuheben ist das Grundlagenwerk „In Ketten tanzen. Übersetzen als interpretierende Kunst“, das sie 2008 zusammen mit Gabriele Leupold im Wallstein Verlag herausgab.

Die Übersetzerbarke wurde Katharina Raabe im Rahmen der Frankfurter Buchmesse am Mittwoch, den 10. Oktober 2018, auf der Bühne des „Weltempfangs“ in HALLE 4.1, Stand B81 verliehen. Der Preis wurde in diesem Jahr von der Keramikerin Ute Kathrin Beck geschaffen. Die Künstlerin nimmt sich die Freiheit, Plastiken zu schaffen, die ein Gefäß noch zitieren, aber durch ihre Körperlichkeit und Bildhaftigkeit vielfältige Assoziationen hervorrufen. Gebrauchsgefäße werden für sie zum Kultgegenstand, zum Schmuckstück, sind archaisch auf der einen und zeitgeistig auf der anderen Seite. Ute Kathrin Becks Arbeiten wurden u.a. mit dem Staatspreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Die unabhängige Jury (Christiane Buchner, Frank Heibert, Eva Profousová) und der gesamte VdÜ gratulieren sehr herzlich!