Die Übersetzerin Miriam Mandelkow, sie wurde 2020 mit dem Helmut-M.-Braem-Preis ausgezeichnet

Miriam Mandelkow, die Braem-Preisträgerin 2020 (Foto [Ausschnitt]: Ebba D. Drolshagen)

Für ihre Übersetzung von James Baldwins Debütroman Von dieser Welt wird die Hamburger Übersetzerin Miriam Mandelkow mit dem 22. Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis ausgezeichnet. Der „Freundeskreis“ würdigt hiermit zugleich ihre weiteren herausragenden Neu-Übertragungen der Werke von James Baldwin.

Die Preisträgerin Miriam Mandelkow erinnert sich an einen Ausspruch Baldwins: „‚Ich schreibe, um rauszufinden, was ich nicht weiß. Ich schreibe, um rauszufinden, was ich nicht wissen will.‘ Ihm bei dieser Suche zu folgen, ist schmerzhaft und ein Geschenk.“

Die Jury, der die Übersetzer:innen Christel Hildebrandt, Olga Radetzkaja und Nikolaus Stingl sowie der Romanist Albrecht Buschmann und der Literaturkritiker Tobias Rüther angehören, begründet ihre Entscheidung wie folgt:

„Miriam Mandelkow gelingt es auf beeindruckende Weise, die Sprachmelodien zum Klingen zu bringen, die James Baldwins Debütroman tragen. Von dieser Welt erzählt die Familiengeschichte eines schwarzen Jungen im Harlem der Nachkriegszeit: John sucht seinen Platz in einer Welt, deren Grenzen ihm einerseits die Rassentrennung, andererseits die Gottesfurcht seines tyrannischen Vaters setzen. Baldwins einzigartigen Sound zwischen Bibel und Slang hat die Übersetzerin mit sicherem rhythmischem und stilistischem Gespür in unsere Gegenwart transportiert, ohne den Text unangemessen zu aktualisieren. Miriam Mandelkow setzt mit ihrer kraftvollen und klugen Neuübertragung die Wiederentdeckung des amerikanischen Klassikers Baldwin fort, die wir in entscheidendem Maß ihr verdanken.“ 

Der mit 12.000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre vom Freundeskreis zur Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen e.V. für eine herausragende Prosa-Übersetzung ausgeschrieben. Die Verleihung, die, wenn alles wäre wie sonst, am 20. Juni 2020 im Rahmen des Wolfenbütteler Gesprächs gefeiert würde, wird in diesem Jahr zwar auch am 20. Juni, aber in kleinstem Kreis stattfinden.

Benannt ist der Preis nach dem William-Faulkner-Übersetzer Helmut M. Braem, der von 1964 bis 1976 dem Verband deutschsprachiger Übersetzer vorstand und 1969 zu den Mitbegründern des Verbands deutscher Schriftsteller gehörte.

(6.5.2020)