VdÜ – Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e. V.
Bundessparte Übersetzer des Verbands deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di
Einladung zum
9. Wolfenbütteler Gespräch
Jahrestagung der Literaturübersetzer
vom 15. bis 17. Juni 2012
Eine Veranstaltung des VdÜ mit Unterstützung von
ver.di, der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel,
dem Deutschen Übersetzerfonds e. V.
und der Stadt Wolfenbüttel
Konzept und Organisation:
Brigitte Jakobeit, Andreas Jandl, Elke Link
Karen Nölle, Michael Zillgitt
Gestaltung des Lesefestes:
Susanne Höbel und Stefanie Jacobs
Download: [Kompl.
Programm 2012 PDF
]
Programm des 9. Wolfenbütteler Gesprächs 2012
Freitag, 15. Juni
ab 13:00 Empfang und Anmeldung
Ort: Kommisse
15:00 Begrüßung und Eröffnung der Tagung
Luis Ruby, 2. Vorsitzender des VdÜ
Grußworte
Ort: Kommisse
15:30 Berufspolitisches. Zum Stand der Dinge
(Vergütungsverhandlungen, Vertragsgestaltung)
Hinrich Schmidt-Henkel, 1. Vorsitzender des VdÜ
Ort: Kommisse
16:00 Die Weisheit der Krähen – Zur kritischen Betrachtung
von Übersetzungen
Vortrag von Frank Heibert
Ort: Kommisse
18:00 Gemeinsames Abendessen
Ort: Wok-In, im Bahnhof
20:00 Lesefest
Ort: Schünemanns Mühle
Informationen zum Lesefest finden sich weiter unten auf der Seite.
Anschließend: Geselligkeit in und vor der Mühle
Samstag, 16. Juni
9:30 – 12:30 Workshops A 1 bis A 8
A1 Spanisch mit Dagmar Ploetz
A2 Übersetzer und Lektor in einem sich verändernden Markt mit Ulrike Ostermeyer
A3 „Punkt, Punkt, Komma, Strich“ – Satzzeichen übersetzen mit Rosemarie Tietze
A4 „Stimmungsmache“ – Krimis übersetzen mit Kristian Lutze
A5 Literaturübersetzung zu zweit mit Nikolaus Stingl und Dirk van Gunsteren
A6 Nachtschichten mit Käsebrot? – Zeit- und Selbstmanagement mit Heike Wilhelmi
A7 „Das mögen Kinder, glaube ich.“ – Kinder- und Jugendliteratur mit Andrea Kluitmann
A8 Britisches Englisch – amerikanisches Englisch mit Susanne Höbel
13:00 Lauftreff: Weniges ist der Denkleistung des Gehirns so zuträglich wie Übersetzen (sic!), der
Verzehr von Nüssen und Dauerlauf. Steph Morris bietet hier an, mit interessierten Läufern zur Synapsenlüftung eine Runde zu drehen. Treffpunkt ist Schünemanns Mühle, und zu Mittag gegessen wird hinterher. – Vorherige Anmeldung ist nicht nötig.
13.15 Lounge: Möglichkeit zum Plausch mit KollegInnen bei (selbst bezahlten) Getränken
oder auch mitgebrachtem Lunch. – Vorherige Anmeldung ist nicht nötig.
Ort: Schünemanns Mühle, Empore oder Garten (je nach Wetter)
13:30 Stadtführung bzw. Führung durch die Herzog-August-Bibliothek
Um vorherige Anmeldung für die gewünschte Führung wird gebeten.
Treffpunkt: vor dem Stadtmarketing (am Stadtmarkt) bzw. vor dem Bibliothekseingang
15:00 – 18:00 Workshops B 1 bis B 8
B1 Knastsprache mit Frank Giesen
B2 „The end is where we start from“ – Romanschlüsse mit Hans-Christian Oeser
B3 Literatur ist ein Spiel mit Regeln – Eine kleine Methodenlehre mit Stephan Krass
B4 Untertitelung – Lust und Frust eines Nischenfaches mit Anja Günther
B5 Nordische Sprachen. „Läget? – Wie ist die Lage?“ mit Dagmar Mißfeldt
B6 Gekonnt vorlesen mit Marcel Hinderer
B7 Der bewegte Arbeitsplatz mit Isabel Wenzler-Stöckel
B8 Yes! – Zum Ulysses-Übersetzen mit Dirk Schultze
19:45 Festliche Verleihung des Helmut-M.-Braem-Preises
Der Preis wird verliehen vom Freundeskreis zur Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen e.V., mit frdl. Unterstützung durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels.
Ort: KuBa-Halle, Lindener Straße
20:30 Abendessen und Party
Ort: KuBa-Halle, Lindener Straße
Sonntag, 17. Juni
10:00 Eine Autorin trifft ihre Übersetzer
Katharina Hagena, Elisabeth Beanca Halvorsen (Norwegen) und
Jamie Bulloch (England) sprechen über den Roman Der Geschmack von Apfelkernen.
Moderation: Gregor Dotzauer
Ort: Kommisse
12:30 Gemeinsames Mittagessen
Ort: Kommisse
Ende der Tagung
Lesefest am Freitagabend – Einladung zum Mitmachen!
Am Freitagabend findet, wie jedes Jahr, unser Lesefest in der Schünemann’schen Mühle statt. Auf vier Bühnen tragen Übersetzer und Übersetzerinnen ihre Texte vor und stellen sich den Fragen ihrer Zuhörer.
Bitte meldet euch zuhauf, damit wir ein attraktives Programm zusammenstellen können!
Beginn ist 20 Uhr und das Ende, mit „fließendem“ Übergang zu Wein im Foyer, gegen 22 Uhr.
Orte und Themen
1. Lesebühne: Stress
Wellen, die über einem zusammenschlagen, Nerven, die zum Zerreißen gespannt sind, Widerstandskraft, die aufs Äußerste strapaziert wird, Abgründe, die sich öffnen und einen zu verschlingen drohen – all das kommt in unseren Büchern vor, mal als Tragödie, mal als Slapstick, dann wieder mit psychologischem Tiefgang oder als humoristische Beschreibung. Sagt bloß, ihr habt zu dem Thema nichts zu bieten!
2. Lesebühne: Schlaflos
Ob in Seattle oder an der Seite eines Schnarchers, ob wegen Schmetterlingen im Bauch, Zwiebeln auf der Pizza oder Babygeschrei – in durchwachten Nächten wird gelebt, geliebt, gelitten. Auf wie unterschiedliche oder vielleicht auch ähnliche Weise, zeigen uns die Figuren
auf dieser Bühne. Raus aus dem zerwühlten Bett und her mit passenden Lesevorschlägen!
3. Lesebühne: Schlacht
Rosenkrieg, Kissenschlacht, die Schlacht am kalten Buffet, Wortgefechte und Schattenboxen,
aber natürlich auch Krieg im klassischen Sinne – im Leben wird so manche Schlacht geschlagen, und wir wollen hören, wie davon in unseren Büchern erzählt wird.
4. Lesebühne: Sterben
„Der Tod gehört zum Leben.“ – Den Satz kennen wir zur Genüge, doch während wir das Sterben
im wirklichen Leben lieber beiseite schieben und nicht so genau zur Kenntnis nehmen wollen, kommt es in Büchern (Romanen wie auch Sachbüchern oder Ratgebern) recht häufig vor. Wir wollen uns dem Ernsten und Traurigen im Leben nicht versperren und laden Lesewillige zum Thema Sterben ein.
Für alle Lesewilligen:
Über zahlreiche Anmeldungen bis zum 30.04.2012 freuen sich Susanne Höbel, Stefanie Jacobs und Elke Link. Bitte schickt eure Vorschläge (Textpassagen von max. 20 Minuten) mit einer Kurzinformation zu Werk und Autor per E-Mail an lesefest@literaturuebersetzer.de.
Den beim Lesefest Aktiven werden von der Tagungspauschale 30 € erlassen bzw. hinterher erstattet.
Die Workshops
A1 Spanisch mit Dagmar Ploetz
Jeder hat die Erfahrung gemacht, dass man gerade bei bildhaften, etwas dunklen Passagen übersetzerisch in höchst unterschiedliche Richtungen davongaloppieren kann – und dabei manchmal geradezu Gegensätzliches hervorbringt.
Als eher ungefährliches Pflaster erscheinen Beschreibungen von Situationen oder Personen. Und doch lenken gerade hier Nuancen die Auffassung des Lesers oft von den literarischen Figuren ab und entscheiden darüber, was er einer Person glaubt oder erlaubt.
Wir wollen uns in diesem Workshop klassischer Textarbeit widmen. Angesprochen sind mehr oder weniger erfahrene Übersetzer aus dem Spanischen.
Dagmar Ploetz, Jahrgang 1946, übersetzte Gabriel García Márquez, Juan Marsé, Rafael Chirbes und zuletzt junge Autoren aus Argentinien und Mexiko.
A2 Übersetzer und Lektor in einem sich verändernden Markt mit Ulrike Ostermeyer
Der Buchmarkt verändert sich, der Druck wird immer größer. Das heißt: Die Schlagzahl im Lektorat erhöht sich, denn Übersetzungen erfolgversprechender Titel sollen – bei gleichbleibend hoher Qualität – möglichst schnell auf den Tischen der Kollegen aus Marketing, Vertrieb und Presse liegen.
Wie wirkt sich das auf die Zusammenarbeit zwischen Lektor und Übersetzer aus? Wie sichern wir die Qualität? Wie viel Zeit bleibt noch für die intensive Beschäftigung mit dem Original, für das fruchtbare gemeinsame Ringen um die kongeniale Übertragung ins Deutsche?
Und was kommt auf uns zu, wenn nicht lektorierte E-Book-Originalausgaben übersetzt werden sollen? – Ein Gedanken- und Erfahrungsaustausch aus aktuellem Anlass.
Ulrike Ostermeyer ist gelernte Buchhändlerin und studierte Romanistik, Germanistik und Betriebswirtschaftslehre. Sie hat als Literaturagentin in London gearbeitet, ist seit 1994 Lektorin und seit 2005 als Programmleiterin verantwortlich für das belletristische Hardcover-Programm des Ullstein-Verlags
A3 „Punkt, Punkt, Komma, Strich“ – Satzzeichen übersetzen mit Rosemarie Tietze
Satzzeichen übersetzen: ein oft unterschätztes, dabei keineswegs triviales Thema. Denn jede Sprache setzt ihre eigenen Zeichen, ihre spezifischen Akzente, reguliert Atem und Rhythmus des sprachlichen Ausdrucks anders. Ganz
zu schweigen davon, dass sich schon die Regeln der deutschen Interpunktion nicht jedem Übersetzerhirn ohne weiteres erschließen. Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Mondgesicht noch lange nicht …
Aber nicht aufgeben! Wer immerhin den Vorsatz gefasst hat, dass er die unscheinbaren Pünktchen und Strichelchen
in Zukunft etwas mehr beachten, etwas gezielter einsetzen möchte, der wird in diesem Workshop einige Hinweise finden.
Das Entreebillet für den Workshop: mindestens zwei Interpunktionsprobleme aus der eigenen Praxis (Original
und Lösungsvorschlag), evtl. auch rein deutsche Probleme, unabhängig vom Original; einzuschicken an mascha.tietze@t-online.de
Rosemarie Tietze ist Übersetzerin aus dem Russischen und leitet Seminare für Literaturübersetzer.
A4 „Stimmungsmache“ – Krimis übersetzen mit Kristian Lutze
Wenn Kritiker Krimis loben, klingt das etwa so:
„… zeigt aufs Schönste, dass ein Spiel auf dem Platz entschieden wird […] Der Stil entscheidet, die Sorgfalt, die psychologische Plausibilität, die atmosphärische Dichte.“
Was und wie die Übersetzung dazu beitragen kann, diese Wirkung zu erzielen, soll in diesem Workshop erkundet werden. Dabei geht es um die Beschreibung von Milieus und Schauplätzen, um die Schilderung von Action-Sequenzen, um Dialoge und mehr.
Weil es dafür nur wenige allgemeingültige Regeln gibt und das Spiel, wie der zitierte FR-Kritiker bemerkt, auf dem Platz entschieden wird, sollen die gemeinsame Arbeit an ausgewählten Textpassagen und der Austausch von Erfahrungen aus der Alltagspraxis im Mittelpunkt stehen.
Ein Workshop für alle, die Krimis aus dem Englischen übersetzen müssen, dürfen oder wollen.
Kristian Lutze übersetzt seit mehr als 20 Jahren Bücher aus dem Englischen, darunter viele Kriminalromane von „trivial“ bis „literarisch“.
A5 Literaturübersetzung zu zweit mit Nikolaus Stingl und Dirk van Gunsteren
Wir wollen in diesem Workshop Voraussetzungen und Methoden gemeinsamen Übersetzens erarbeiten:
· Wann und unter welchen Umständen ist eine Zusammenarbeit überhaupt sinnvoll?
· Wie gestaltet man sie?
· Wie geht man mit Konflikten um?
· Welche Gesichtspunkte sind für die Aufteilung des Textes maßgeblich?
· Welche Rolle spielen die Terminplanung und die Zusammenarbeit mit dem Lektorat?
In einem zweiten Schritt wird das Besprochene angewendet: Die Teilnehmer finden sich paarweise zusammen, übersetzen jeweils die Hälfte eines Textes und suchen die Ideallinie. – Wir sind gespannt.
Nikolaus Stingl und Dirk van Gunsteren sind beide seit vielen Jahren als Übersetzer tätig, in einigen Fällen auch gemeinsam.
A6 Nachtschichten mit Käsebrot? – Zeit- und Selbstmanagement für Einzelkämpfer
mit Heike Wilhelmi
Wer alleine arbeitet, weiß, wie schwer und mühsam es sein kann, sich selbst und seine Zeit zu strukturieren, sich zu motivieren und einen gesunden, produktiven Rhythmus zwischen Arbeit und Freizeit zu finden.
Dieser Workshop orientiert sich an den konkreten Bedürfnissen, Fragen und „neuralgischen“ Punkten der TeilnehmerInnen, etwa: Was kann ich gegen Aufschieberitis tun? Wie schätze ich meinen Zeitbedarf richtig ein? Was hilft bei Arbeitsüberlastung in Stoßzeiten? Wie sage ich meinem Auftraggeber, dass ich einen Termin nicht schaffe? Wie grenze ich mich bei der Arbeit gegen „Verführungen“ ab, besonders am Schreibtisch zuhause? Wie schaffe ich es, meine Arbeit sinnvoll zu strukturieren?
Es geht vor allem darum, praktische Tipps und Hilfen für den Umgang mit dem ganz alltäglichen Organisationschaos zu vermitteln. – Damit Nachtschichten und das schnelle Käsebrot am Computer die Ausnahme bleiben!
Heike Wilhelmi, Jahrgang 1961, war nach Verlagslehre und Studium 12 Jahre als Lektorin und Programmleiterin angestellt. 1999 machte sie sich mit ihrer Literaturagentur selbständig und managt seitdem nicht nur sich selbst, sondern auch rund 50 Autorinnen und Autoren.
A7 „Das mögen Kinder, glaube ich.“ – Kinder- und Jugendliteratur mit Andrea Kluitmann
„In jeden Kopf passen nur ein paar Bücher ganz genau“, sagte der niederländische Journalist Kees Fens einmal.
Wie sieht das Angebot der Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland zurzeit aus? Ist da für jeden Kopf etwas dabei? Und wie ist es dazu gekommen? Wie bestimmen unser Kindbild und die vermutete und reale Rezeptionsfähigkeit des kindlichen/jugendlichen Lesers unsere Übersetzungen und das Angebot? – Anhand kurzer Beispiele und einer kleinen Vor-Ort-Übersetzung widmen wir uns unter anderem diesen Fragen.
Anregungen oder Beispiele aus eurer Arbeit sind freiwillig, jedoch sehr willkommen. Bitte bis zum 1. Juni 2012 schicken an akluitmann@xs4all.nl. – Verpflichten möchte ich alle Teilnehmer zur Beantwortung der folgenden Frage (bitte auch spätestens bis zum genannten Datum):
Welches Kinder- und Jugendbuch (ab 10 Jahren, deutsches Original oder erschienen
als deutsche Übersetzung) gefällt dir besonders?
Für Übersetzer (aus allen Sprachen) und Lektoren.
Andrea Kluitmann, Jahrgang 1966, arbeitet seit 1992 als Fach- und Literaturübersetzerin aus dem Niederländischen (hauptsächlich Kinder- und Jugendbuch) und schreibt regelmäßig über Übersetzen und Literatur.
A8 Britisches Englisch – amerikanisches Englisch mit Susanne Höbel
"England and America are two countries separated by a common language." Mit diesem Zitat von George Bernard Shaw beschreiben die Engländer oft das linguistische Dilemma, das sie zwischen ihrem Land und den Vereinigten Staaten beobachten.
Anders als den Briten geht es uns Übersetzern jedoch nicht darum, die Vorzüge oder Überlegenheit einer Sprachvariante gegenüber der anderen herauszustellen. Vielmehr ist es unser Anliegen, die Bedeutungen von Wörtern, Phrasen und Formulierungen gemäß der Ausgangssprache des Autors zu erkennen, richtig zuzuordnen und – darauf kommt es an – richtig zu übersetzen.
Die Möglichkeiten, sich zu irren, sind vielfältig. Einige davon wollen wir anhand von Beispielen aufzeigen. Allerdings soll sich die Arbeit des Workshops nicht im Erstellen einer Liste von Vokabeln oder Redewendungen erschöpfen. Unser Ziel ist es daher, die Aufmerksamkeit für die keineswegs immer offensichtlichen sprachlichen Unterschiede und die sich daraus ergebenden Übersetzungsfallen zu schärfen.
Für Teilnehmer, die aus dem Englischen übersetzen.
Susanne Höbel übersetzt seit über zwanzig Jahren aus dem britischen und dem amerikanischen Englisch und kann sich nichts Schöneres vorstellen als diese Arbeit und die tägliche Beschäftigung mit der sprachlichen Vielfalt und der Suche nach dem richtigen Wort.
B1 Knastsprache mit Frank Giesen
Der Reiz so manchen Druckerzeugnisses liegt darin, dass ungesetzliche Handlungen in ihm beschrieben werden, die häufig ins Gefängnis führen.
Für die Übersetzer stellt sich, sobald Recht und Ordnung gesiegt haben, oft die Frage, wie man im Knast denn eigentlich spricht.
Welches Vokabular ist in Gebrauch? Welchen sprachlichen Usus gibt es? Welche Wendungen sind kennzeichnend für Wärter, welche für Insassen? Gibt es Geheimcodes? Welche Ausdrücke werden häufig, welche selten gebraucht?
Frank Giesen, heute 63 Jahre alt, saß über 15 Jahre seines Lebens in Haft. Während seines Aufenthalts in einigen Gefängnissen Bayerns und Berlins beteiligte er sich an zahlreichen kulturellen Projekten. Er erhielt für seine Erzählung Und morgen ist Weihnachten den Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis und war Chefredakteur der einzigen unzensierten Gefangenenzeitschrift Der Lichtblick. Außerdem erarbeitete er ein Glossar der Gefängnissprache, das über mehrere Ausgaben dem Lichtblick beilag.
B2 „The end is where we start from“ – Zur Problematik von Romanschlüssen
mit Hans-Christian Oeser
Dieser Workshop schließt an einen früheren an, der sich mit Romananfängen beschäftigte.
Anhand ausgewählter Textbeispiele aus deutsch- und englischsprachiger Literatur und ihrer Übersetzungen wollen wir Form und Funktion von Romanenden und ihren Stellenwert in unserem Arbeitsprozess prüfen. Dabei können wir das Gespür für sprachliche Besonderheiten schärfen und der stets vorhandenen Neigung zur stilistischen Glättung entgegenarbeiten.
Die Texte werden den Teilnehmern vorab zugeschickt, aber alle sind herzlich eingeladen, eigene Beispiele einzubringen.
Für Übersetzer aus allen Sprachen
Hans-Christian Oeser, von Haus aus Germanist, lebt in Dublin und Berlin und übersetzt seit mehr als 20 Jahren aus dem Englischen; ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist die irische Gegenwartsliteratur.
B3 Literatur ist ein Spiel mit Regeln – Eine kleine Methodenlehre mit Stephan Krass
Nicht nur Geheimdienste, auch die Poesie arbeitet mit Codierungen, Textschlüsseln und verdeckten Ermittlungen.
Literarische Techniken wie das Anagramm, das Palindrom, die Alphanumerik oder die vielfältigen Verfahren der Wort- und Buchstabenkombinatorik gehören dazu. Und ist nicht Remix nur ein zeitgenössisches Wort für Textstrategien, die nicht erst die Slam-Poeten und Spoken-Word-Rezitatoren des Post-Dadaismus erfunden haben, sondern schon lange zum Inventar poetischer Verfahrensregeln gehören? Denken wir nur an die Formelverse aus Homers Werkstatt.
Ausgehend von der Überlegung, dass Literatur ein Spiel mit Regeln ist, wollen wir einige Übungen zur Codierung und Decodierung literarischer Texte vorstellen, die ins Reich der Sprachspiele, Schreibalgorithmen und poetischen Ordnungssysteme führen.
Stephan Krass ist Literaturredakteur (SWR) und Dozent für Literatur an der HfG Karlsruhe. Er schuf zahlreiche Textinstallationen im öffentlichen Raum, verfasste ein Anagramm-Poem für Enzensbergers Poesieautomat im Literaturmuseum der Moderne Marbach und veröffentlichte zuletzt: Das Konzil der Planeten. Poetische Konstellationen (2010).
B4 Untertitelung: Lust und Frust eines Nischenfaches mit Anja Günther
Gemeinsam wollen wir folgende Fragen klären: Wie genau entstehen Untertitel? Welchen Herausforderungen sehen sich ihre VerfasserInnen sowohl auf sprachlicher und technischer als auch auf marktwirtschaftlicher Seite gegenüber? Und wie gehen hauptberufliche UntertitlerInnen mit dem zunehmenden Preiskampf um?
Nach einer Einführung wollen wir mit Übungen einen Einblick in die Arbeit der UntertitlerInnen vermitteln. Außerdem soll es darum gehen, das Anliegen des 2011 gegründeten Untertitelforums bekannt zu machen. Das Forum ist ein loser Zusammenschluss fast ausschließlich freiberuflicher UntertitlerInnen, die sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen und den (Preis- und Rechte-)Kampf angehen, den die LiteraturübersetzerInnen schon seit Jahren ausfechten. – So kann der Workshop vielleicht auch dazu dienen, unsere Netzwerke zu stärken und einen Forderungskatalog zu erstellen, ohne dabei den Spaß an unserem Beruf aus den Augen zu verlieren.
Der Workshop richtet sich gleichermaßen an interessierte KollegInnen aus dem Literaturbereich wie an erfahrene UntertitlerInnen. Die Sprachkombination Englisch/Deutsch ist dabei kein Muss, aber die Beispiele und Übungen werden englischsprachigen Formaten entnommen.
Anja Günther leitet den Workshop in Vertretung für die Mitglieder des Untertitelforums. Wie viele andere engagiert sie sich ehrenamtlich beim Forum und arbeitet seit Jahren hauptberuflich als Untertitlerin.
B5 Nordische Sprachen. „Läget? – Wie ist die Lage?“ mit Dagmar Mißfeldt
Wie ist die Lage? Bei der Übersetzung von Umgangssprache, vor allem bei Jugendsprache, steht man vor der Frage, wie man den richtigen Ton trifft und eine authentische Übertragung findet. Wie geht man vor, wenn man selbst nicht mehr zur Zielgruppe gehört und deutsche Jugendliche greifbar sind?
Im Workshop wollen wir Vorgehensweisen erörtern, die Jugendsprache analysieren und mögliche Fundquellen prüfen. An literarischen Textbeispielen aus Skandinavien (Schwerpunkt: Schwedisch) untersuchen wir mögliche Lösungswege und Übersetzungstechniken.
Eigene Textbeispiele sind erwünscht, bitte zwei Wochen vor Beginn an: dagmarmissfeldt@arcor.de. Der Workshop richtet sich an neue und an erfahrene Übersetzende skandinavischer Sprachen.
Dagmar Mißfeldt, Jahrgang 1964, studierte Skandinavistik und Finnougristik und arbeitet als freie Übersetzerin für nordische Sprachen, Lektorin für Schwedisch an der Leuphana Universität Lüneburg und Lehrbeauftragte für Schwedisch an der Universität Hamburg. Sie lebt in Hamburg.
B6 Gekonnt vorlesen mit Marcel Hinderer
Immer wieder stehen Übersetzer vor der Situation, aus ihrer Übersetzung öffentlich vorzulesen, doch das Lesen und Sprechen vor Anderen ist für vorwiegend Schreibende eine ungewohnte Tätigkeit und bringt neue Anforderungen mit sich:
Nicht nur der Sinn des Geschriebenen soll im Gesprochenen klar werden, sondern es sollen auch die Stimmung des Textes und einzelne Charaktere deutlich werden. Gleichzeitig will man Präsenz zeigen und die Zuhörenden im Blick haben, damit sie sich direkt angesprochen fühlen.
Es geht in diesem sehr praxisbezogenen Workshop darum, sich mit den genannten Anforderungen auseinanderzusetzen, damit das eigene Lesen mit einer klaren Sprechhaltung und intention verbunden wird.
Ziel ist es, besser auf öffentliche Lesesituationen vorbereitet zu sein. – Inhalte sind:
|
|
|
|
|
|
|
|
Für maximal 18 Teilnehmer, die beim ersten Mal nicht dabei waren. (Der Workshop ist eine Wiederholung.)
Marcel Hinderer, Dipl.-Pädagoge und Sprecherzieher, arbeitet als Dozent für Sprecherziehung und Praktische Rhetorik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg und freiberuflich als Rhetorik-Trainer und Sprecher.
B7 Der bewegte Arbeitsplatz mit Isabel Wenzler-Stöckel
Wer sitzend arbeitet, kann vermehrt unter Schulter- und Nackenverspannung, müden Augen und verbissenem Kiefer leiden. – Liegt das am Konzept Stuhl–Tisch–Arbeit und den damit mangelnden Bewegungsmöglichkeiten?
Das kommt ganz darauf an, wie der Arbeitsplatz gestaltet ist. Die äußeren Bedingungen wie Stuhl, Schreibtisch, Licht und PC stellen nur einen Teil des Arbeitsplatzes dar. Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, das Wirkungsfeld beweglich zu gestalten. Aber auch ausreichend Pausen und Entspannungsphasen sollten rund um den Schreibtisch ihren Platz haben.
Im Workshop werden aktive und passive Möglichkeiten erkundet, die eigene Denkstube zu erfrischen. Wer entspannt arbeitet, ist konzentrierter. – Die Themen des Workshops:
· Aktives Sitzen |
· Stehend Arbeiten |
· Aktive und passive Pausen |
· Auge-Hand-Verhältnis |
· Rege Schultern |
· Lockerer Kiefer |
Isabel Wenzler-Stöckel arbeitet als Pilates-Trainerin im eigenen Studio (Pilates-Projekt) in Eutin. Darüber hinaus ist sie als Referentin in der Pilates-Ausbildung sowie für Bewegung und Entspannung tätig.
B8 Yes! – Zum Ulysses-Übersetzen mit Dirk Schultze
Ein textgewordener Tag. Eine textgewordene Stadt. Weltalltag, dem die Signaturen aller Dinge eingeschrieben sind, und ein fiktiver Held, dem man seine Fiktionalität nicht abkaufen mag.
James Joyces sprachliches und historisches Monument Ulysses hat Generationen von Lesern verstört und verzückt und jedem übersetzerischen Scheitern eine euphorische Dimension verliehen.
Nach einer kurzen Einführung in das inzwischen kanonische Werk werden wir im Workshop die Grenzen der Übersetzbarkeit des Ulysses ausloten. Anhand ausgewählter Passagen des Originals sowie beim Vergleich mit vorliegen den Übersetzungen wollen wir jeweils eigene Übersetzungsvorschläge diskutieren und quasi nebenbei den Bloomsday, den – heutigen! – 16. Juni, rekonstruieren.
Dirk Schultze, in der anglistischen Mediävistik und der englischen Sprachgeschichte tätig, hat an der 2004 erschienenen kommentierten Ausgabe von Hans Wollschlägers Ulysses-Übersetzung sowie an deren bislang noch nicht abgeschlossener Überarbeitung mitgewirkt.
WISSENSWERTES
Anmeldeschluss ist der 30. April 2012.
Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, können wir auch bei Anmeldungen, die vor dem Anmeldeschluss eingehen, die Teilnahme nicht garantieren.
Bitte melden Sie sich – möglichst per E-Mail – bei Michael Zillgitt an: mzillgitt@t-online.de. Für die Anmeldung per E-Mail muss kein Formular mitgeschickt werden. Das im kompletten Programm (PDF, S. 10) enthaltene Formular ist nur für die postalische Anmeldung gedacht. Bitte keine Mail-Anhänge senden, weil weder Formular noch Unterschrift nötig sind!
Tagungspauschale
Die Teilnahme an der Tagung inklusive 2 Abendessen und 1 Mittagessen
(siehe Programm) kostet:
für Mitglieder und Kandidaten der Bundessparte Übersetzer / VdÜ
sowie von VS, ver.di, BDÜ, AdÜ-Nord, Bücherfrauen, VFLL
oder der Österreichischen Übersetzergemeinschaft 60 €
für Nichtmitglieder 120 €
Die Tagungspauschale ist zu überweisen an:
Michael Zillgitt, Konto Nr. 364 541 602, Postbank Frankfurt, BLZ 500 100 60
Stornogebühren
Ab dem 15. Mai 2012 wird eine Stornogebühr von 50 % und ab dem 25. Mai 2012 von 100 %
der Tagungspauschale erhoben, sofern der Platz nicht anderweitig vergeben werden kann.
Hotelreservierung
Die Hotelreservierung erfolgt individuell durch die Teilnehmer. Eine Liste von Hotels ist auf
der letzten Seite abgedruckt. Bitte geben Sie bei der Reservierung das Kennwort „VdÜ“ an.
Anreise
Per Bahn: über Braunschweig nach Wolfenbüttel.
Fahrkarten zu besonders günstigen Sonderpreisen können ab 19.3. erworben werden.
Per Auto: Von Norden, Westen oder Osten über die Autobahnen A 2/A 391 (Kreuz BS-Nord), A 391/A 39 (Dreieck BS-Südwest), A 39/A 395 (Kreuz BS-Süd) und A 395.
Von Süden oder Westen über die Autobahnen A 7/A 39 (Dreieck Salzgitter), A 39, Abfahrt 18 (Salzgitter-Watenstedt) in östliche Richtung auf der Schnellstraße (L 495) nach Wolfenbüttel.
Von Südosten über die Bundesstraße B 79.
Empfang
Am Freitag, 15. Juni, erhalten Sie ab 13:00 Uhr in der Kommisse im Stadtzentrum von Wolfenbüttel, Kommissstraße 5, Ihre Begrüßungsmappe und Ihr Namensschild. Am Wochenende ist
das Stadtmarketingbüro, Stadtmarkt 7, von 10:00 bis 14:00 geöffnet.
Bibliotheksführung bzw. Stadtführung
Geben Sie Ihren Teilnahmewunsch bitte bei der Anmeldung an (siehe nächste Seite).
Weitere Informationen unter www.literaturuebersetzer.de
Hier ist ab 7. Juni das endgültige Programm, mit Angabe der Workshop-Räume, zu finden.
Anmeldung
Bitte melden Sie sich per E-Mail bis spätestens 30. April 2012 bei Michael Zillgitt an:
Bitte keine Mail-Anhänge senden, weil weder Formular noch Unterschrift nötig sind!
Die Anmelde-Mail muss folgende Angaben enthalten:
Betreff: VdÜ
1. Name, Vorname
2. Tagungspauschale:
60,– € für Mitglieder
(bitte die Mitgliedschaft angeben; siehe vorige Seite unter „Tagungspauschale“)
120,– € für Nichtmitglieder
3. Workshop-Wünsche:
Vormittag: 1. Präferenz: A __ 2. Präferenz: A __
Nachmittag: 1. Präferenz: B __ 2. Präferenz: B __
4. Teilnahme am Mittagessen am Sonntag
ja / nein
5. Optional:
Teilnahme an der Stadtführung oder an der Bibliotheksführung
(nicht beide, da gleichzeitig stattfindend)
__________________________________________________________________________
Der Eingang der Anmelde-Mail wird möglichst umgehend bestätigt.
Der Eingang der Tagungsgebühr auf dem Tagungskonto
Michael Zillgitt
Konto 364 541 602
Postbank Frankfurt, BLZ 500 100 60
wird nicht eigens bestätigt, aber zu gegebener Zeit wird freundlich an die Zahlung erinnert.
UNTERKÜNFTE
Für die Unterbringung haben wir in folgenden Hotels kostengünstige Kontingente reserviert, die Sie unter dem Kennwort „VdÜ“ buchen können (Option bis 1. Mai 2011):
| Unterkunft |
Telefon 05331- |
Preise Ü/F in €uro pro Nacht |
Lage |
| Städtisches Jugendgästehaus Am Seeligerpark 1, 38300 W'büttel www.jgh-wolfenbuettel.de |
73 09 950 | 39,50 EZ / 59,00 DZ / 64,50 3-Bett-Z. / 86,00 4-Bett-Z. | Zentrum |
|
Parkhotel „Altes Kaffeehaus“***Harztorwall 18, 38300 Wolfenbüttel www.parkhotel-wolfenbuettel.de |
8880 | 66,00 EZ / 87,00 DZ | Zentrum |
|
Rilano 24/7 Wolfenbüttel***Bahnhofstr. 9, 38300 Wolfenbüttel www.rilano.com |
98860 | 99,00 EZ / 119,00 DZ | Zentrum/Bahnhof |
|
Hotel Garni „Landhaus Dürkop“Alter Weg 47, 38302 Wolfenbüttel www.landhaus-duerkop.de |
7053 | 54,00 EZ / 80,00 DZ | 10 Gehminuten zum Zentrum |
|
Hotel „Bayrischer Hof“ 1Brauergildenstr. 5, 38300 W'büttel www.bayrischer-hof-wf.de |
5078 | 52,00 EZ / 77,00 DZ | Zentrum |
1 Bitte lassen Sie sich vom Bayrischen Hof die Reservierung schriftlich bestätigen. In den letzten Jahren gab es gelegentlich Schwierigkeiten. zurück
Die Schünemannsche Mühle (das Gästehaus der Bundesakademie) ist bereits ausgebucht.
Außerdem gibt es über 40 Ferienwohnungen und einige Privatzimmer in Wolfenbüttel, die gern auch für zwei Tage vermietet werden. Infos dazu auf der Internetseite www.wolfenbuettel-tourismus.de.

Bitte beachten:
Die Ziffern im Stadtplan entsprechen nicht den aufgeführten Hotels oder im Programm angegebenen Orten.
Ein Rückblick auf Wolfenbüttel
2011:
- Programm 2011
- Bericht und Fotos 2011