Claus Sprick (Foto: Europäisches Übersetzer-Kollegium Straelen)

Mit Claus Sprick ist nun leider auch der Letzte aus der Gründergeneration des Europäischen Übersetzer-Kollegiums Straelen von uns gegangen.

1978 war er Gründungsmitglied, 1979 erster Vizepräsident des gemeinnützigen Trägervereins. Wir finden ihn bereits unter den Teilnehmern der ersten Straelener Übersetzer-Werkstatt Französisch im November 1978 und später in vielen weiteren. So gab er im April 1983 seine ersten Arbeitsnotizen zu einer Erzählung von Jean-Luc Benoziglio in den Computer ein, La veillée, und wurde mit dieser Übertragung zum ersten Übersetzer des als absolut unübersetzbar geltenden Sprachakrobaten;­ eine Herausforderung, die ihn reizte. Zwei weitere Romane dieses schweizerischen Autors übersetzte er später auch noch, sie brachten ihm begeisterte Kritiken ein, Cabinet portrait (1980), Porträt-Sitzung (1990) und Tableaux d‘une ex (1989) Bilder einer Ex (1993). Mit Benoziglio hatte er offenbar einen nahezu gleichaltrigen Wahlverwandten gefunden, Sprachakrobat und Jurist wie er selbst.

Französisch sprach und schrieb Claus Sprick in allen Registern, und in der englischen Literatur wurde vor allem Saki (Hector Hugh Munro), dessen Sämtliche Erzählungen er zusammen mit Werner Schmitz herausbrachte, sein Lieblingsautor. Im Brot- und Hauptberuf war er aber seit 1973 Richter, bildete über 30 Jahre lang Referendare in französischem Recht aus, und war die letzten 15 Jahre, bis er sich 2009 vorzeitig pensionieren ließ, Bundesrichter in Karlsruhe. „Von kaum zu überschätzendem Wert“ seien „die profunden Kenntnisse von Herrn Sprick im internationalen Privatrecht und in ausländischen Rechtsordnungen gewesen“. Seine „glänzende und unerhört vielseitige intellektuelle Begabung“ und seine „hilfsbereite, humorvolle und ausgleichende Art“ waren nicht nur beim Bundesgerichtshof nachhaltig wirksam, sondern später und noch bis zu diesem Jahr auch beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg.

Schon als junger Kollege hatte er seine juristische Kompetenz auch in den Dienst der Übersetzerinnen und Übersetzer gestellt und sie beraten, etwa indem er ihnen in einem Artikel der Verbandszeitschrift die Vor- und Nachteile der Umsatzsteuernovelle 1980 je nach der Höhe ihrer Jahreseinkünfte vorrechnete.

Als Präsident des EÜK hat Claus Sprick von 1990 bis zu seinem Rücktritt im Jahr 2021 dem Kollegium gedient und den Berufsstand als Ganzes repräsentiert, sei es in Kassel bei der Verleihung des Institutionenpreises Deutsche Sprache der Eberhard-Schöck-Stiftung 2013, sei es bei seinen legendären Eröffnungsreden zur Verleihung des Straelener Übersetzerpreises der Kunststiftung NRW (zu denen er oft eine mit Büchern bedruckte Krawatte trug) und ganz besonders in jener großen, berufs- und bildungspolitisch äußerst kritischen Rede zum 20-jährigen Bestehen des EÜK: „Zutritt auch für Unbetuchte“, nachzulesen in der Ausgabe 2/98 von „Übersetzen“ und heute wieder absolut aktuell.

Als Übersetzer, Freund und Berater war er ganze 43 Jahre seines Lebens im Übersetzer-Kollegium präsent. Mit seinem juristischen Sachverstand hat er uns mehrmals aus schwierigen Situationen heil heraus manövriert. Er hat Regina Peeters aber auch bei ganz alltäglichen Fragen beraten, vom Gasvertrag über Arbeitszeitkonten, von Corona-Hilfen bis zur Formulierung von Anträgen und Verträgen.

Nicht zu vergessen: Er übersetzte nicht nur geistreiche französische und englische Literatur, er hatte auch ein untrügliches Ohr für das Deutsch des Ruhrgebiets, seine eigentliche Muttersprache, und schuf hier seine kommerziell erfolgreichsten Titel, nämlich das Wörterbuch Hömma! Sprache im Ruhrgebiet (Straelener Manuskripte Verlag) und, zusammen mit Reinhardt Stratenwerth, die beiden Asterix-Übersetzungen Zoff im Pott (Streit um Asterix)und Asterix und sein Ulligen (Der Sohn des Asterix) bei Ehapa.

Claus Sprick besaß eine Tag- und eine Nachtseite: Er selbst schrieb über sich, er sei „tagsüber Bundesrichter und bei Vollmond Übersetzer aus dem Englischen und Französischen“ und sein Traum war, „ebendort, wo frei nach Ludwig XIV. das Licht nicht ausgeht, mal nur als Gast und vom Vollmond unabhängig zu sein.“

Ein glänzender Übersetzer, ein geistreicher Redner, ein hervorragender Jurist, ein ungeheuer arbeitsamer Mensch, ein absolut liebenswerter, hilfsbereiter und übrigens leiser Freund ist zu betrauern. Man könnte sein Werk mit dem Titel der Sämtlichen Erzählungen von Saki überschreiben: Nie eine langweilige Zeile.

Renate Birkenhauer, 18.8.2026

(28.8.2026)