Autor András Visky und seine Übersetzerin Timea Tankó (Foto: Justus Lemm/HKW)

Der Internationale Literaturpreis 2026 wird an András Visky und Timea Tankó für Die Aussiedlung verliehen. 

Er zeichnet ein herausragendes Werk der internationalen Gegenwartsliteraturen und seine Erstübersetzung ins Deutsche aus. Dieser doppelte Fokus macht ihn in der deutschen Preislandschaft einzigartig. Dotiert ist der Internationale Literaturpreis mit 35.000 Euro (20.000 Euro für Autor*in, 15.000 Euro für Übersetzer*in).

Aus der Begründung der Jury für die Ausgezeichneten:

Die Aussiedlung ist ein eigenwilliges Buch der Gefangenschaft. Ein eigensinniges Buch des Bundes: ein Buch über die rätselhafte Fähigkeit von Menschen, sich im Angesicht der Verwüstung aneinander binden zu können, wenn alles andere zerbricht. Davon erzählt András Visky in einer riskanten Sprache, die bereit ist, sich selbst zu riskieren: mit angehaltenem Atem, mit stockendem Atem, mit vorletztem Atem. (…) „Der Mensch”, schreibt Visky, „ist so erschaffen, dass er sein eigenes Herz nicht abhören kann.” Dieser Satz könnte auch die Ausgangslage des Übersetzens beschreiben. Und Timea Tankó hörte nicht nur das Herz dieses Romans ab, sondern auch in die Dauer der Stille hinein, in diese halbe Ewigkeit, die auf jeden Herzschlag folgt.

András Visky, 1957 in Târgu Mureș geboren, ist Dramatiker und Regisseur, der in Rumänien lebt und arbeitet. Die Aussiedlung ist sein erster und einziger Roman.

Timea Tankó, 1978 in Leipzig geboren, verbrachte ihre Kindheit in Ungarn und Deutschland. Sie studierte Französisch, Spanisch und Kulturwissenschaften. Seit 2003 arbeitet sie als literarische Übersetzerin aus dem Ungarischen (u.a. Ádám Bodor, Andor Endre Gelléri und István Kemény) und Französischen. Für ihre Übersetzung von Apropos Casanova von Miklós Szentkuthy erhielt sie 2021 den Preis der Leipziger Buchmesse.

Wir gratulieren herzlich!

(5.7.2026)