VdÜ – Verband deutschsprachiger Übersetzer
literarischer und
wissenschaftlicher Werke e. V.
Bundessparte Übersetzer
des Verbands deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di
6. Wolfenbütteler Gespräch
Jahrestagung der Literaturübersetzer
vom 5. bis 7. Juni 2009
ver.di, der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel,
dem Deutschen Übersetzerfonds e. V., der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz,
der Zeitstiftung und der Stadt Wolfenbüttel
Konzept und Organisation:
Susanne Höbel,
Brigitte Jakobeit, Gertraude Krueger,
Luis Ruby, Claudia Steinitz
PROGRAMM DES 6. WOLFENBÜTTELER GESPRÄCHS 2009
Freitag, 5. Juni
Vormittag Kinderbuchlesung in der Stadtbibliothek Wolfenbüttel
ab 13:00 Empfang und Anmeldung
Ort : Kommisse
15:00 Begrüßung und Eröffnung der Tagung :
Ort : Kommisse
Hinrich Schmidt-Henkel, Vorsitzender des VdÜ
Grußworte
15:30 Weltlesebühne
Der neu gegründete Verein, in dem sich Übersetzer aus Berlin, Freiburg, Hamburg, Köln und Zürich zusammengeschlossen haben, stellt sich vor und lädt zum Mitmachen ein
Ort : Kommisse
16:15 Vom konstruktiven Missbrauch der Übersetzung
Eine thematische Plauderei von Fritz Senn
Ort : Kommisse
18:00 Gemeinsames Abendessen
Ort : Restaurant Karstadt
20:00 Lesefest
Ort : Schünemannsche Mühle
anschließend Geselligkeit in und vor der Mühle
Lesefest - Einladung zum Mitmachen!
Das traditionell für den Freitagabend angesetzte Lesefest findet auch dieses Jahr wieder in der Schünemannschen Mühle statt. Wir konnten dafür Fördermittel vom Land Niedersachsen einwerben und hoffen, durch Plakate und Flyer auch dieWolfenbütteler dafür zu interessieren. Bitte meldet Euch zahlreich, damit wir ein attraktives Programm auf die Beine stellen können!
Beginn ist 20 Uhr, das Ende, mit fließendem Übergang zu Wein im Foyer, gegen 22 Uhr. Zu den Themen:
1. Mühlenfoyer: Mein Lieblingsbuch
Übersetzer haben Lieblingsbücher: diejenigen, in die sie Schweiß, Grips und Mühen investiert haben oder an denen sie besonders hängen. Hier wird gelesen und erzählt, was Zeit und Hingabe besonders wert war.
2. Theaterdach: Allzumenschliches
Pikantes und Pikiertes, Peinliches und Penetrantes kann in der Literatur aufgedeckt, demaskiert werden – oder in seiner allzumenschlichen Menschlichkeit erkennbar, vielleicht auch liebenswert gemacht werden. Den entsprechenden Ton zu treffen, ist allemal eine übersetzerische Herausforderung, aber keine übermenschliche.
3. Wintergarten erster Stock: Unter 18 – Jugendbuchübersetzungen
Der Jugendkult macht auch vor dem Lesefest nicht Halt! Nachdem am Vormittag die Kinder beim Kinderlesefest zu ihrem Recht gekommen sind, geht es jetzt um Literatur für Jugendliche unter achtzehn. Alles kommt in Frage: Klassiker ebenso wie ganz neu Veröffentlichtes, Schräges und Wildes ebenso wie Problemlastiges und Philosophisches.
4. Wintergarten zweiter Stock: Poetisches
Wie jedes Jahr bleibt der Dichtkunst und klangvollen Prosa ein eigener Platz reserviert, Texten also, die uns besondere Fesseln anlegen und für sich besondere Freiheiten erfordern. Nicht nur Gedichte, sondern Lyrisches aller Art soll hier zum Vortrag kommen.
Über zahlreiche Anmeldungen bis zum 30.04.2009 freuen sich Susanne Höbel, Stefanie Jacobs und Luis Ruby. Bitte schickt Eure Vorschläge - konkrete Textpassage (nicht länger als 20 Minuten) und Kurzinformation (Buch, Autor) - per E-Mail an uns drei ( SusanneHoebel@t-online.de , stefanieroeder@gmx.de und lr@luis-ruby.de ).
Samstag, 14. Juni
9:30 – 12:30 Workshops A-1 bis A-8
A-1 Italienisch / Spanisch: Flüche und Interjektionen mit Andreas Löhrer und Katharina Schmidt
A-2 Englisch: Slang mit Bernhard Schmid
A-3 Darstellung der eigenen Übersetzungsarbeit mit Annette Kopetzki
A-4 Partikeln: Eigentlich dann doch wohl eher so ... mit Ulrich Blumenbach
A-5 Polnisch: Man ist, was man isst – und wie man darüber spricht mit Dorota Stroinska
A-6 Schreibwerkstatt mit Helmut Frielinghaus
A-7 Zitate, Zitate … mit Rosemarie Tietze und Wolfgang Schimmel
A-8 Wie ein Übersetzer auf seine Kosten kommt mit Andreas Schiemenz
13.00 Lounge
Hier bietet sich allen, die sich mit Kollegen und Kolleginnen treffen möchten, die Möglichkeit zum Plausch bei (selbst bezahlten) Getränken. Ort : Schünemannsche Mühle
13:30 Stadtführung / Führung durch die Herzog-August-Bibliothek
Um vorherige Anmeldung wird gebeten.
Treffpunkt : vor dem Bibliothekseingang
15:00 – 18:00 Workshops B-1 bis B-8
B-1 Ungarisch: Sprache des Schicksals, Schicksal der Sprache mit Laszlo Kornitzer
B-2 Einstieg statt Ausstieg mit Karen Nölle
B-3 Werkstatt mit Cornelia Holfelder-von der Tann
B-4 Sachbücher mit Sebastian Vogel
B-5 Aus der Arbeit der Polizei: „Profiling“ mit Gerd Hasse
B-6 Fortsetzung: Schreibwerkstatt mit Helmut Frielinghaus
B-7 Effizienter arbeiten mit Microsoft Word mit Wolfram Baur
B-8 Entspannt arbeiten? mit Judith Elze
20:00 Weitergabe des Hieronymusrings durch Susanne Lange an Ulrich Blumenbach
21:00 Abendessen und Party
Ort: KuBa-Halle
Sonntag, 7. Juni
10:00 Ein Autor trifft seine Übersetzer
Ingo Schulze im Gespräch mit John E. Woods (USA) und Lídia Nádori
(Ungarn)
Moderation: Susanne Höbel
Ort : Kommisse
13:00 Gemeinsames Mittagessen
Ort : Restaurant Karstadt
Ende der Tagung
DIE WORKSHOPS
A-1 Italienisch / Spanisch: Flüche, Schimpfwörter und Interjektionen
mit Andreas Löhrer und Katharina Schmidt
Cazzo, puttana Eva, porca miseria – was den Italienern und Spaniern so leicht, vielfältig und farbig über die Lippen kommt, oft noch im Dialekt, bereitet in der Übersetzung mitunter arges Kopfzerbrechen. Wie vulgär, obszön oder deutlich soll man werden? Bietet Hochdeutsch wirklich so begrenzte Fluch- und Schimpfmöglichkeiten? Fällt uns Übersetzern immer nur „Scheiße“ ein? Wie schaffen wir den Kulturtransfer?
Ächz, und erst diese Interjektionen! Plopp, da fällt uns ein Stein vom Herzen, dass wir hier gemeinsam an zwei kurzen (italienischen) Texten sowie repräsentativen Beispielen unsere Fluch- und Interjektionsfähigkeiten vergleichen und verfeinern können. Bitte auch eigene – besonders schwierige oder gelungene - Beispiele mitbringen!
Wir wollen auch über Hilfsmittel, Fachbücher und Internetlinks sprechen. Mögliches Fernziel: Aufbau einer (Internet-) Datenbank.
Für max. 25 Übersetzer/innen aus dem Italienischen und Spanischen
Katharina Schmidt übersetzt seit über 10 Jahren aus dem Italienischen
Andreas Löhrer übersetzt seit 15 Jahren aus dem Italienischen und Spanischen
A-2 Englisch: Slang als Problem für den Übersetzer mit Bernhard Schmid
Slang bzw. Umgangssprache allgemein begegnet jedem Übersetzer, zumal dem literarischer Werke, Tag für Tag. Aber während der im Standard gehaltene Teil des Texts mithilfe der üblichen Recherchemöglichkeiten durchaus flott von der Hand geht, beginnt bei Slang/Umgangssprache oft erst einmal die Suche nach der Bedeutung, bevor man sich vor dem meist noch größeren Problem der stilgerechten Eindeutschung sieht. Allzu oft begnügt man sich mit einer »Ausrede«, einer Erklärung etwa oder einer Lösung aus der »Hochsprache«.
Vor dem Hintergrund meiner Arbeit an brauchbaren zweisprachigen englisch-deutschen Umgangssprache-Wörterbuchern sollen einige Probleme beim Übersetzen von Umgangsprache erörtert werden. Bitte Beispielsätze für eigene Probleme, noch besser aber für geglückte Lösungen vorab an post@slangtimes.com schicken! Aus den Einsendungen wird eine beispielhafte »Wörterbuchseite« erstellt, die dann – als Grundlage für den Workshop – zum Brainstorming zurück an die Teilnehmer geht.
Für maximal 25 Teilnehmer
Bernhard Schmid ist Anglist und seit über 20 Jahren freier Übersetzer und Wörterbuchmacher
A-3 „Es empfiehlt sich, mit dem Nachwort des Übersetzers zu beginnen“
Übungen zur Darstellung der eigenen Übersetzungsarbeit mit Annette Kopetzki
Dankbare Erwähnungen von Übersetzernachworten wie dieser Hinweis in einer Rezension finden sich häufig. Doch angenommen, wir bekämen die Gelegenheit zu einem Nachwort: Wie beschreiben wir den normalen Lesern einzelne Probleme, Entscheidungen und Lösungsverfahren bis hin zu grundsätzlichen Prinzipien und systematischen Strategien? Wie begründen wir die besondere Lösung und das Gesamtkonzept? Wofür stehen die Beispiele, die wir anführen? Wenn Übersetzer über ihre Arbeit sprechen, erzählen sie Geschichten von Einzelfällen, sagt Douglas Robinson, dessen Buch „The Translator's Turn“ auf eine „anekdotische Theoriebildung“ baut. Aber lassen sich aus individuellen Fallgeschichten wirklich allgemeinere Begriffe und Beschreibungsmuster schmieden? Die Vorteile einer solchen Selbstdarstellung liegen jedenfalls auf der Hand: reflexive Vergewisserung der eigenen Verfahren, verbesserte Kommunikation mit dem Lektorat, Kriterien für die Übersetzungskritik und Sensibilisierung der Leser für Probleme der Übersetzung.
Zur Vorbereitung bitte ich die Teilnehmer, ein solches Nachwort zu einer ihrer Übersetzungen zu versuchen – keine Hemmungen, das ist für die meisten von uns Neuland. Außerdem werden wir uns durch historische bis zeitgenössische Übersetzernachworte anregen lassen.
Für maximal 25 Übersetzende aus allen Sprachen
Annette Kopetzki übersetzt seit zwanzig Jahren Belletristik, Lyrik und Sachbücher aus dem Italienischen
A-4 Eigentlich dann doch wohl eher so ... mit Ulrich Blumenbach
Modal- oder Abtönungspartikeln sind unscheinbare, aber effiziente Bausteine des Deutschen, die Aussagen eine spezifische Färbung in komprimierter Form verleihen. Im Workshop sollen ein paar Schneisen durch den Mischwald der Modalpartikeln geschlagen und einzelne Textauszüge analysiert werden. Geplant sind außerdem Übungen zur flexiblen Verwendung von Modalpartikeln beim Übersetzen.
Für maximal 25 Übersetzende aus allen Sprachen
Ulrich Blumenbach (*1964) übersetzt seit 1993 aus dem Englischen, leitet zusammen mit Fritz Senn das Zürcher Übersetzertreffen, ist Lehrbeauftragter des Studiengangs Literarisches Übersetzen an der Universität Düsseldorf sowie Vorstandsmitglied im Verein Übersetzerhaus Looren (Schweiz) und im Deutschen Übersetzerfonds.
A-5 Polnisch: Man ist, was man isst – und wie man darüber spricht mit Dorota Stroinska
Essgewohnheiten sind „Offenbarungen über Kulturen“ (F. Nietzsche) und schlagen sich in der Sprache häufig als Phraseologismen nieder, die mit Lebensweisen, Traditionen und kulinarischen Vorlieben verwoben sind. Als Sprachbilder und literarische Kleinstformen transportieren sie kulturgeprägte Wertungen, die oft schwer zu übersetzen sind, besonders dort, wo es um Geschmack geht. Wir werden diese Phänomene jeweils im Spiegel des Deutschen und des Polnischen näher betrachten. „Kraut und Rüben“ – vom Essen in der deutschen und der polnischen Literatur. „Alles Käse!“ - Wie sind die auffällig vielen pejorativen kulinarischen Redewendungen im Deutschen zu deuten? Wie werden die sprachlichen Möglichkeiten der Phraseologismen in literarischen Texten genutzt und deren metaphorisches Bedeutungsfeld erweitert? Ein Blick in Teufels Küche, nur für Hartgesottene…
Beispiele aus der eigenen Praxis sind willkommen.
Für Übersetzer aus dem Polnischen, aber auch aus anderen slawischen Sprachen
Dorota Stroinska ist Germanistin und Slawistin. Sie übersetzt seit 1994 mit Genuss Literatur und Philosophie.
A-6 / B-6 Schreibwerkstatt mit Helmut Frielinghaus
Wer – wie wir Übersetzer (und Lektoren) – täglich analysierend und kritisch mit der Sprache anderer, der Autoren umgeht, stößt bei eigenen Schreibversuchen auf unerwartete Schwierigkeiten. Wir haben die Unbefangenheit im Schreiben eingebüsst, uns fehlt der Mut zum spontanen ersten Entwurf. In der Werkstatt wollen wir uns vormittags, nach einem Referat, über hilfreiche Vorüberlegungen, über das Anfangen und über die (nicht endende) Arbeit am eigenen Text unterhalten. Der Nachmittag ist für kleine Schreibübungen und für das Gespräch über einige der entstandenen Texte gedacht.
Ein ganztägiger Workshop für 20 Übersetzerinnen und Übersetzer aus allen Sprachen
Helmut Frielinghaus , Lektor in verschiedenen literarischen Verlagen, jetzt freiberuflich, Übersetzer spanischer und amerikanischer Literatur
A-7 Zitate, Zitate … mit Rosemarie Tietze und Wolfgang Schimmel
Heinrich Böll soll einmal „unter dem Pseudonym Katharina Blum ein Buch geschrieben“ haben, „das eine Rechtfertigung von Gewalt darstellt“. Was tun, wenn einem ein solches Zitat beim Übersetzen unterkommt?
Aber auch im „Normalfall“ folgt auf ein Aufatmen (Zitat? Wunderbar, das hat schon jemand, da brauche ich nicht selbst …) meist die Ernüchterung, der Zweifel: Was kann ich, wie darf ich, wo muss ich etwas aus fremder Quelle übernehmen? Und wenn eine frühere, mühsam recherchierte Übersetzung nicht passen will, was dann? Und wie verweise ich den Leser auf die Übernahme, wie den Verlag?
Das Thema Zitate, rundum beleuchtet, sowohl übersetzungsstrategisch und ästhetisch wie auch juristisch.
Als Entreebillet für den Workshop: mindestens ein Zitatproblem aus der eigenen Praxis, Original und Lösungsvorschlag, mit ein, zwei Sätzen zur Charakteristik des Problems, einzuschicken an mascha.tietze@t-online.de
Für max. 25 Teilnehmer
Rosemarie Tietze ist Übersetzerin aus dem Russischen und leitet Seminare für Literaturübersetzer
Wolfgang Schimmel ist als Jurist bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft in der Rechtsberatung von Autoren und Übersetzern tätig
A-8 Ich, der Unternehmer – oder wie ein Übersetzer auf seine Kosten kommt mit Andreas Schiemenz
Das Thema Geld steht bei dem Schritt zur Selbständigkeit meist nicht im Mittelpunkt; man arbeitet auf eigene Rechnung aus Spaß an der Arbeit, dem Umgang mit Sprache und dem geschriebenen Wort.
Der Spaßfaktor lässt sich erheblich erhöhen, wenn am Monatsende genug Geld für Miete und Krankenkasse, die tägliche Mahlzeit und die Altersvorsorge auf dem Konto ist. Und nach Ende des Jahres ruft das Finanzamt und möchte Einkommenssteuer, Umsatzsteuer und evtl. auch noch Kirchensteuer haben.
Eine solide betriebswirtschaftliche Basis ist also für jeden Freiberufler wichtig.
Der Workshop teilt sich in drei Schwerpunktthemen auf. Im Bereich Kosten werden alle Ausgaben aufgelistet, die als Kosten abgesetzt und berücksichtigt werden können. Das Thema Kalkulation gibt Einblicke in die Grundlagen der Preisermittlung und Preisfestlegung. Im dritten Teil geht es um die Gespräche mit den Auftraggebern und heikle Punkte wie Preisnachlässe und Preiserhöhungen.
Für max. 30 Teilnehmer
Andreas Schiemenz ist diplomierter Volkswirt und langjähriger Kenner der Übersetzer und Dolmetscherpraxis. Er hält seit mehr als 15 Jahren Vorträge für die Fachverbände zu den Themen Kalkulation, Existenzgründung, Preisverhandlung und Marketing. Für das Steuerberaterhandbuch des Stollfußverlages verfasste er den betriebswirtschaftlichen Teil für die Branche Übersetzer und Dolmetscher.
***
B-1 Ungarisch: Sprache des Schicksals, Schicksal der Sprache mit Laszlo Kornitzer
Einen völlig neuen Tonfall in der ungarischen Sprache markiert das Buch von Imre Kertész „Roman eines Schicksallosen“, angelehnt an den Existenzialismus von Albert Camus. Das in Ungarn 1975 erschienene Buch erlebte zwei Übersetzungen ins Deutsche, von denen die erste, 1990, resonanzlos unterging, während die zweite, 1996, den Ruhm dieses Werkes begründete, bis hin zum Literaturnobelpreis für den Autor. Heute sind diese Ereignisse fast verblasst, nicht jedoch die grundsätzlichen Probleme der Übersetzung aus dem Ungarischen ins Deutsche, wenn es nicht um gängige Genres und leichtere Belletristik geht - wiewohl auch dort -, sondern um das, was ich die Sprache einer neuen Sensibilität und ihre Eindringlichkeit bezeichnen würde, wie jene von Kertész, eine gleichsam neue politische Positionierung des Einzelnen.
Nach dem Vergleich und der Analyse der beiden Übersetzungen befassen wir uns mit der Frage, was der Ausdruck „neutrale“ oder „amodale Schreibweise“ von Roland Barthes für die Übersetzungsarbeit heute bedeutet.
Es sind auch Übersetzer willkommen, die sich nicht explizit mit dem Ungarischen beschäftigen und herausfinden und diskutieren möchten, wie man einen Text anfasst, der, vielschichtig und tief genug, der herkömmlichen Beschreibung mit ständig neuen Mitteln radikaler Verneinung derselben begegnet.
Laszlo Kornitzer , aufgewachsen in Budapest, vormals Theaterregisseur, übersetzt seit etwa sieben Jahren aus dem Ungarischen
B-2 Einstieg statt Ausstieg mit Karen Nölle
Die ersten Zeilen eines Romans, eines Kapitels haben besonderes Gewicht. Sie sollen Aufmerksamkeit wecken, zum Lesen verführen, auf das zu Erwartende einstimmen. Was für Anforderungen stellt das an uns als Übersetzer? Zu Beginn will ich kurz ein paar Anfänge vorstellen und mit den Teilnehmern analysieren: Was leisten sie? Was sollen sie (auch) im Deutschen transportieren? Welche Mittel setzen Übersetzer ein? Auch Genre wird dabei Thema sein. Anschließend werden wir Anfänge, die schon übersetzt, aber noch in Arbeit sind, redigieren, zuspitzen, versuchsweise mit Wirkung versehen, im Deutschen. Teilnehmer sind eingeladen, Kapitel- und Romananfänge oder andere Auftakte, die Probleme bieten, zur Besprechung einzureichen.
Für max 25 Übersetzende aus allen Sprachen
Karen Nölle übersetzt seit 1984 aus dem Englischen, sie arbeitet auch als Außenlektorin und schreibt gelegentlich Reisebücher. Seit zehn Jahren leitet sie Seminare unter dem Titel "Wie wird ein Text schön?" für ÜbersetzerInnen, LektorInnen und AutorInnen
B-3 Werkstatt mit Cornelia Holfelder-von der Tann
Trotz Internet bleiben immer noch Fragen, die man gerne mit KollegInnen besprechen würde, etwa „Dauerbrenner“, die einem immer wieder zu schaffen machen, Sachfragen, Methodisches, Sprachregister etc... Vieles davon kann man produktiv auch mit Leuten besprechen, die aus anderen Ausgangssprachen übersetzen. Dafür diese Werkstatt.
Vorbereitung: Ich würde euch empfehlen, bei der laufenden Arbeit einen Zettel nebendran zu legen, Fragen formlos zu sammeln und dann mitzubringen. Ihr könnt sie mir vorher schicken (CHvdT50@aol.com), müsst aber nicht. Wenn es euch von den Fragen her sinnvoll erscheint, macht etwa ein Dutzend Ausdrucke. Wortspiele in großer Anzahl sind oft ad hoc nicht zu lösen, aber man kann Denkanregungen bekommen, die vielleicht irgendwann beim Spazierengehen oder Einschlafen wirken.
Für max. 25 TeilnehmerInnen
Cornelia Holfelder-von der Tann übersetzt seit 1976 aus dem Englischen, um den Kollegen Blumenbach zu zitieren, „alles, was stillhält“, derzeit mit einem Trend zum Thriller. Sie ist seit vielen Jahren in der sprachübergreifenden Freiburger Übersetzerwerkstatt.
B-4 Sachbücher - für Übersetzer das einfachere Genre? mit Sebastian Vogel
Nur allzu oft hat man die Vorstellung, nur "hohe Literatur" - anspruchsvolle Belletristik - sei wirklich schwierig zu übersetzen. Sachbücher dagegen gelten manchmal als "reine Informationsvermittlung" und deshalb als einfacher. Dass es so nicht ist, weiß man spätestens dann, wenn man es einmal mit einem "literarischen Sachbuch" zu tun hatte. Im ersten Teil des Workshops arbeiten wir an einem Essay des 2002 verstorbenen amerikanischen Evolutionsbiologen und Wissenschaftshistorikers Stephen Jay Gould. Dabei werden wir Gelegenheit haben, Recherchen verschiedenster Art anzustellen und die Grenzen des Übersetzbaren auszuloten. Kreativität ist dabei sehr gefragt! Im zweiten Teil wollen wir uns dann mit Problemen aus der Berufspraxis der Workshopteilnehmer beschäftigen.
Für max. 25 Kolleginnen und Kollegen, die es teilweise oder ausschließlich mit Sachbüchern zu tun haben. Wir werden vorwiegend mit englischen Texten arbeiten, viele Arbeitstechniken sind aber sicher auch für das Übersetzen aus anderen Sprachen nützlich.
Texte und Problemfälle für den zweiten Teil des Workshops bitte mitbringen oder noch besser vorab an svogel@uebersetzungen-vogel.de .
Sebastian Vogel ist promovierter Biologe und übersetzt seit über 20 Jahren Sachbücher aus dem Englischen.
B-5 Aus der Arbeit der Polizei: „Profiling“ und was sich dahinter versteckt
Kaffeesatzleserei oder fundiertes kriminalistisches Werkzeug? mit Gerd Hasse
Der ehemalige Leiter der Dienststelle für „operative Fallanalyse“ (OFA) bei der Berliner Kripo gibt Auskunft.
Nach einer einführenden Power Point Präsentation ist eine ausgiebige Diskussion erwünscht.
Für 30 Teilnehmer
Gerd Hasse (63) ist Erster Kriminal Hauptkommissar i.R.
B-6: siehe A-6!
B-7 Effizienter arbeiten mit Microsoft Word mit Wolfram Baur
Ein ordentlich formatiertes Dokument ist eine „Visitenkarte“ für den Übersetzer. Zunächst soll es daher kurz um professionelle Dokumentgestaltung und Umsetzung mittels MS Word gehen. Optimierung der Arbeitsfläche und Einsatz von Tastaturbefehlen sowie Funktionen, die Übersetzern die Arbeit erleichtern (und durch deren Beherrschung wir Kunden einen zusätzlichen Mehrwert bieten können) bilden weitere Schwerpunkte des Workshops.
Grundlegende Funktionen von Word werden als bekannt vorausgesetzt. Laptops können, müssen aber nicht mitgebracht werden, alle Schritte werden mittels Beamer demonstriert. Das Seminar wird anhand der Version Word 2002 („Office für XP") durchgeführt. Auf Word 2007 („Word für Vista“) wird aufgrund der Änderungen an der Menüführung nicht eingegangen.
Für max. 25 Teilnehmer
Wolfram Baur (Jahrgang 1963) ist seit 1993 freiberuflich als Übersetzer für eine Reihe von Industrieunternehmen tätig. Er verfügt über langjährige Erfahrung als Seminarleiter im BDÜ.
B-8 Entspannt arbeiten? mit Judith Elze
In unserer gemeinsamen Zeit wollen wir uns anschauen, wie das gehen kann.
Je nach Bedarf werde ich Übungen vorstellen zu Körperbewusstsein, Entspannung, Fokussierung, Behebung von akuten Haltungs- und sonstigen Belastungen u.a. mehr.
Es gibt die Möglichkeit, Erfahrungen zu machen und zu schauen, was für uns in den Alltag integrierbar ist.
Für maximal 20 Teilnehmer/-innen.
Judith Elze übersetzt aus dem Italienischen, Russischen und Englischen. Außerdem ist sie Aikido-Lehrerin und Kinesiologin und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Methoden der Wahrnehmung von Körper und Geist.
WISSENSWERTES
Bitte melden Sie sich – wenn möglich per E-Mail – bei Claudia Steinitz an: claudia.steinitz@bluewin.ch
Download Anmeldeformular: [ Anmeldung
PDF
] — [Anmeldung
WORD
]
Natürlich besteht auch die Möglichkeit, sich per Fax (0041-44-450 19 12) oder postalisch anzumelden. Zu diesem Zweck schicken Sie bitte das ausgefüllte Anmeldeformular an Claudia Steinitz, Im Tiergarten 40, 8055 Zürich, Schweiz . Bitte tragen Sie bei der Anmeldung unbedingt die Nummern der Workshops ein, an denen Sie teilnehmen möchten (für den Vormittag zwei Präferenzen aus A1-8, für den Nachmittag zwei Präferenzen aus B1-8). Der Workshop A6/B6 ist ein Ganztagsworkshop und kann nur als Ganzes belegt werden. Die Workshopleiter informieren Sie rechtzeitig vor Tagungsbeginn, an welchem Workshop Sie teilnehmen.
Anmeldeschluss ist der 30. April 2009.
Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, können wir auch bei Anmeldungen, die vor dem Anmeldeschluss eingehen, die Teilnahme nicht garantieren.
Tagungspauschale
Der Preis für die Teilnahme am Tagungsprogramm inklusive 2 x Abendessen und 1 x Mittagessen
(s. Programm):
Mitglieder und Kandidaten von Bundessparte Übersetzer, VdÜ, VS, ver.di, BDÜ, AdÜ-Nord
oder Österreichischer Übersetzergemeinschaft: 60,00 €
Nichtmitglieder: 120,00 €
Sozialtarif auf Anfrage (0041-44-450 19 11)
Stornogebühren
Ab dem 10. Mai 2009 wird eine Stornogebühr von 50 %, ab dem 20. Mai 2009 von 100 % des Teilnehmerbeitrages erhoben, sofern die Plätze nicht anderweitig vergeben werden können.
Hotelreservierung
Die Hotelreservierung erfolgt individuell durch die Teilnehmer. Eine Liste der Hotels finden Sie weiter unten. Bitte geben Sie bei der Reservierung das Kennwort „VdÜ“ an.
Anreise
Per Bahn: über Braunschweig nach Wolfenbüttel
Per Auto : Vom Norden, Westen und Osten über BAB A 2/A 391 (Kreuz Braunschweig-Nord), A 391/A 39 (Dreieck Braunschweig-Südwest), A 39/A 395 (Kreuz Braunschweig-Süd) und A 395.
Vom Süden und Westen über BAB A 7/A 39 (Dreieck Salzgitter), A 39, Abfahrt 18 (Salzgitter-Watenstedt) in östliche Richtung auf der Schnellstraße (L 495) nach Wolfenbüttel.
Von Südosten über Bundesstraße B 79.
Empfang
Am Freitag, den 05. Juni, erhalten Sie ab 13:00 Uhr in der Kommisse im Stadtzentrum von Wolfenbüttel, Kommissstraße 5 , Ihre Begrüßungsmappe und Ihr Namensschild. Am Samstag steht von 09:00 bis 13:00 das Stadtmarketingbüro am Stadtmarkt 7 für Informationen bereit.
Bibliotheksführung / Stadtführung
Geben Sie Ihren Teilnahmewunsch bitte bei der Anmeldung an!
Für die Unterbringung haben wir in folgenden Hotels kostengünstige Kontingente reserviert, die Sie unter dem Kennwort „VdÜ“ buchen können (Option bis 1. Mai):
| Unterkunft | Telefon | Preise Ü/F in €uro pro Nacht |
Lage |
|
Parkhotel „Altes Kaffeehaus“***
Harztorwall 18, 38300 Wolfenbüttel |
05331-8880 | 65,00 EZ / 85,00 DZ | Zentrum |
|
Hotel Tulip Inn Wolfenbüttel***
Bahnhofstr. 9, 38300 Wolfenbüttel |
05331-98860 | 60,00 EZ / 75,00 DZ | Zentrum/Bahnhof |
|
Hotel Garni „Landhaus Dürkop“***
Alter Weg 47, 38302 Wolfenbüttel |
05331-7053 | 53,00 EZ / 80,00 DZ | 10 Fußmin. zum Zentrum |
|
Hotel „Bayrischer Hof“ 1
Brauergildenstr. 5, 38300 Wolfenbüttel |
05331-5078 | 52,00 EZ / 77,00 DZ | Zentrum |
|
Hotel Garni „Gaststätte Sultan“
Rosenmüllerstr. 8, 38304 Wolfenbüttel |
05331-1467 |
28-38 EZ / 48-60 DZ |
5 Fußmin. zum Zentrum |
|
Gästehaus Werner
Dr.-Heinrich-Jasper-Str. 42, 38304 WF |
05331-27188 |
30,00 EZ / 50,00 DZ
70,00 App. |
5 Fußmin. zum Zentrum |
Hotel Forsthaus Werner Neuer Weg 5, 38302 Wolfenbüttel |
05331-27188 | 50,00 DZ /70,00 App. | 5 Fußmin. zum Zentrum |
1 Bitte lassen Sie sich vom Bayrischen Hof die Reservierung schriftlich bestätigen. In den letzten Jahren gab es gelegentlich Schwierigkeiten. zurück
Die Schünemannsche Mühle ist bereits ausgebucht.
Mittlerweile gibt es über 30 Privatvermieter in Wolfenbüttel, die gern auch für 2 Tage vermieten. Infos dazu auf der Internetseite www.wolfenbuettel-tourismus.de.

N.B. Die Ziffern im Stadtplan entsprechen nicht den aufgeführten Hotels oder im Programm angegebenen Orten.
Ein Rückblick auf Wolfenbüttel
2008:
- Programm 2008
- Bericht und Fotos 2008