Geschichte des VdÜ

Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Buch immer mehr zum Massenprodukt, besonders nach Einführung des Taschenbuchs. Parallel dazu wurde das Übersetzen von Literatur ein eigenständiger Beruf. Die Zahl der professionellen Übersetzer wächst ständig.

Professionalisierung, Austausch untereinander und mit Übersetzern anderer Länder, Tagungen und Kongresse – das waren die Ziele der sieben Literaturübersetzer, die 1954 in Hamburg den VdÜ gründeten. Erster Präsident war Rolf Italiaander. Ihm folgten Rolf Tonndorf, Helmut M. Braem, Klaus Birkenhauer, Burkhart Kroeber, Helga Pfetsch und Gerlinde Schermer-Rauwolf. Seit Herbst 2008 führt Hinrich Schmidt-Henkel den Vorsitz.

1964 gründete Rolf Tonndorf die Zeitschrift Der Übersetzer. Die Zeitschrift erscheint heute halbjährlich, seit 1997 unter dem Titel Übersetzen.

Mit der ersten Jahrestagung der Literaturübersetzer schuf Helmut M. Braem 1968 ein Treffen, das zur Institution werden sollte. 30 mal organisierte Ursula Brackmann das "Esslinger Gespräch", später "Bergneustädter Gespräch". In den Jahren 1999 bis 2003 fand die jährliche Übersetzertagung in Bensberg bei Köln statt, seit dem Jubiläumsjahr 2004 in Wolfenbüttel.

Als 1969 in Köln der Verband deutscher Schriftsteller (VS) gegründet wurde, erhielt der VdÜ als Bundessparte Übersetzer im VS den Sonderstatus eines bundesweiten Landesverbands. Mit dem VS schloss sich der Übersetzerverband 1973 der IG Druck und Papier an, die sich 1989 durch Zusammenschluss mit der Gewerkschaft Kunst zur IG Medien erweiterte und im Jahr 2001 in die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di eingliederte.

Im August 1970 stellte der Übersetzerverband den ersten Mustervertrag für Literaturübersetzer vor, ein Jahr später folgte der Mustervertrag für Übersetzer von Bühnenwerken. In Verhandlungen mit dem Verlegerausschuss des Börsenvereins des deutschen Buchhandels wurde ein Normvertrag entwickelt (in letzter Fassung 1992), auf den sich Übersetzer wie Verleger berufen können.

Auf Initiative des in Straelen am Niederrhein geborenen Beckett-Übersetzers Elmar Tophoven wurde dort 1978 das Europäische Übersetzer-Kollegium (EÜK) gegründet. Projektleiter war seit 1985 bis zu seinem Tod im Februar 2001 der langjährige Vorsitzende des Übersetzerverbands Klaus Birkenhauer. In einem Ensemble von 6 Häusern bietet das EÜK 29 Studios (für Übersetzer ist der Aufenthalt frei) und eine Bibliothek mit 90.000 Bänden, darunter über 18.000 Lexika.

Nach der deutschen Wiedervereinigung traten 80 Literaturübersetzerinnen und -übersetzer aus den neuen Bundesländern dem Übersetzerverband bei. Ende 1994 zählte der Verband mehr als 500 Mitglieder.

Heute hat der Verband über 1000 Mitglieder und vertritt die Interessen aller professionellen Literaturübersetzer. Auf internationaler Ebene ist der VdÜ Mitglied des Conseil Européen des Associations des Traducteurs Littéraires (CEATL) und assoziiertes Mitglied der Fédération Internationale des Traducteurs (FIT).

Der VdÜ ist Mitglied der Deutschen Literaturkonferenz e.V. und damit des Deutschen Kulturrats und über den VS im Deutschen Literaturfonds und in der Kulturstiftung der Länder sowie in zahlreichen weiteren Institutionen vertreten, die mit Literaturförderung befasst sind. Des Weiteren ist der VdÜ Mitglied des Arbeitskreises für Jugendliteratur e.V. sowie Gründungsmitglied des Deutschen Übersetzerfonds, der 1997 entstand, um eine qualitätsorientierte und bundesweit wirksame Übersetzerförderung aus öffentlichen und privaten Mitteln zu entwickeln. Auch in den Gremien der VG Wort sowie der Künstlersozialkasse (KSK) werden die Interessen der Literaturübersetzer durch Mitglieder des Verbandes bzw. durch ver.di gewahrt.

 

Ein Archiv zur Geschichte des VdÜ ist im Aufbau. Es enthält zur Zeit folgende Dossiers: