Klaus-Jürgen Liedtke

Klaus-Jürgen Liedtke, portraitiert von Elke Link


Schon früh faszinierte ihn die nordische Landschaft, die Weite Lapplands – geboren wurde Klaus-Jürgen Liedtke 1950 als Flüchtlingskind in Enge/Südtondern. Zum Studieren ging er (nach dem Abitur in Bielefeld) nach Kiel, ins schwedische Uppsala, nach Berlin (wo er seit 1974 lebt) und zu einem fünfjährigen Abstecher nach Turku.

In Berlin war er auch zum ersten Mal als Übersetzer gefragt: Der Dramaturg von Peter Stein suchte jemanden für die Übersetzung des schwedischen Stücks „Gertrud“ für die Schaubühne, das dann aber nie gespielt wurde. Dennoch ist er dabei geblieben, und Kontinuität ist ihm sehr wichtig bei seiner Arbeit – noch heute greift er zurück auf seine Übersetzungen aus den 80er Jahren (in dem Horen-Band „Hölderlin träumte - Schwedische Lyrik 1965-1980“, der im Europäischen Übersetzerkollegium Straelen entstand) und erweitert sie. Göran Sonnevi etwa wurde von ihm Ende der 80er veröffentlicht, nächstes Jahr erscheint ein weiterer Auswahlband bei Hanser. Seine Gunnar Ekelöf-Übertragungen erschienen in sieben Bänden zwischen 1991 und 2004.

Klaus-Jürgen Liedtke ist mehrfach preisgekrönt – neben zahlreichen Stipendien erhielt er den Preis des Schwedischen Schriftstellerfonds (1992), den Natur och Kultur-Übersetzungspreis der Schwedischen Akademie (1993), den Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie (2004) und 2005 den Paul-Celan-Preis.

Er hat sich besonders für international vernetzte Übersetzereinrichtungen engagiert und u.a. das Baltic Centre for Writers and Translators in Visby mit aufgebaut. Die Ostsee begreift er nicht als trennendes, sondern als verbindendes Element, und so repräsentiert er die Schriftsteller- und Übersetzerverbände der angrenzenden Länder als Vorsitzender des Baltic Writers’ Council (www.balticwriters.org). Zudem war er sechs Jahre im Three Seas Writers’ and Translators’ Council (für Ostsee, Schwarzes Meer und Ägäis) auf Rhodos aktiv.

Er hat sich aber nicht nur als Übersetzer einen Namen gemacht, sondern auch als Herausgeber, Schriftsteller und Dokumentarfilmer. Klaus-Jürgen Liedtke sieht sich als Mittler zwischen den europäischen Sprachen und Kulturen; in seiner Dankesrede für das Bundesverdienstkreuz formulierte er: „In diesem Sinne arbeite ich, dass das Original in der Übersetzung zu einem Gewinn wird, nicht nur zu etwas, das verloren geht beim Transfer in die fremde, die eigene Sprache.“


Gunnar Ekelöf, aus: Sagan om Fatumeh (1966): aus: Das Buch Fatumeh (1992):
Dina ögon glöder
av rött vin
Hur skall jag släcka dem?
- Endast genom att dricka dem som bägare
med kyssar
en efter en efter en -
Då slår du åter upp i dem
av det gula vin
som jag älskar mest.

Deine Augen glühen
von rotem Wein
Wie kann ich sie löschen?
- Nur indem du sie leertrinkst
mit Küssen
wie Becher um Becher um Becher -
So füllst du sie neu
mit dem gelben Wein
den ich am liebsten mag.