Klug vom Übersetzen sprechen
"Klug vom Übersetzen zu sprechen ist bequemer als es selber tun", schreibt Fritz Senn in einem Essay, widerspricht dieser Selbstbezichtigung aber in jedem Satz, den er zu unserem Metier je geschrieben hat, denn bequem war er sicher nicht, dieser lebenslange Spagat zwischen Wissenschaft und Praxis. Auch den Werken von James Joyce hat sich Fritz hermeneutisch genähert, indem er ihre Interpretation "mit verminderter Unwissenheit" als Übersetzung begriff und seinem Essayband "Joyce's Dislocutions" folgerichtig den Untertitel "Essays on Reading as Translation" gab. "Übersetzen ist menschlich", lautet ein anderer seiner Aphorismen zum Thema, und gemäß dieser Devise hat er sich von jeher mit der "fruchtbaren Illusion der Übersetzbarkeit" auseinandergesetzt, in Bergneustadt Workshops geleitet und in der Zürcher James-Joyce-Stiftung einen Stammtisch für literarische Übersetzer der Deutschschweiz eingerichtet. Wir danken ihm.
Ulrich Blumenbach
Fritz Senn hält beim 6. Wolfenbütteler Gespräch 2009 den Eröffnungsvortrag über den „Konstruktiven Missbrauch der Übersetzung“ (Foto: Sabine Baumann)
Fritz Senn im Gespräch mit Übersetzerkollegen bei einem Bergneustädter Gespräch, in den späten achtziger, frühen neunziger Jahren (Foto: privat)