Kleine Festrede zum 80. Geburtstag von Ursula Brackmann.
Von Susanne Höbel, Präsidentin des Freundeskreises zur internationalen Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen e. V.
Ich gehöre, so könnte man vielleicht sagen, der heutigen mittleren Generation der Übersetzer an und habe Ursula Brackmann zum ersten Mal in Bergneustadt erlebt, wo sie die Gäste zur Jahrestagung der Übersetzer persönlich begrüßte. Die Herzlichkeit der Begrüßung und der köstliche Linseneintopf gehören für mich in der Erinnerung irgendwie zusammen.
Später, 1995, habe ich an einem Seminar in Straelen teilgenommen, für mich sehr schicksalsträchtige vier Tage, denn nicht nur bekam das Seminar durch Ursula Brackmann so etwas wie eine Seele, sondern ich lernte dort auch Renate Birkenhauer, Hans-Christian Oeser, Maria Poelchau und, nicht zuletzt, Helmut Frielinghaus kennen.
Die Rolle, die Ursula Brackmann während des Seminars in Straelen hatte, war für mich nicht recht durchschaubar. Einerseits nahm Ursula Brackmann an allen Sitzungen teil und stach durch kluge Beiträge hervor, andererseits machte sie auch immer wieder vom Thema abweichende Bemerkungen wie: "Die Suppe könnte jetzt gegessen werden." In meiner Erinnerung höre ich jedes Mal, wenn ich mir vorzustellen versuche, was sie gesagt haben könnte, eine unpersönliche Formulierung im Konditional. Ich mag mich irren. Sicher aber ist, dass Ursula Brackmann in diesen vier Tagen unverzichtbar für das Gelingen und die gute Stimmung im Seminar war. Und das lag nicht nur an der Suppe, es lag wie gesagt an der Seele und auch an den Geschichten, die sie abends in der Küche erzählte, es lag an der Stimme und der Bestimmtheit mit der sie sprach. Ursula Brackmann saß in einer großen, dichten Rauchwolke neben Klaus Birkenhauer und erzählte viele Geschichten mit dieser bestimmten Stimme. Und irgendwann zu später Stunde briet sie für alle Seminarteilnehmer Bananen in der Pfanne, die sie mit viel Honig beträufelt servierte.
Ein andermal saß ich im Garten eines Hotels in Wolfenbüttel und wartete auf eine englische Übersetzerin. Die kam nicht, statt dessen kamen Maria Poelchau (siehe oben) mit einer Freundin und schließlich auch Ursula Brackmann, die uns vom Balkon ihres Zimmers aus gesehen hatte und zu uns runterkam. Die Geschichten, mit denen sie uns unterhielt, waren fantastisch, und das "Aus-dem-Nähkästchen-Plaudern" fand hier seine schönste Verwirklichung. Ich bin ein wörtlicher Mensch, und wenn jemand mir Geschichten erzählt, glaube ich sie. Erzählt aber jemand mit der Stimme und Bestimmtheit wie Ursula Brackmann, ist jedes Zweifeln gänzlich ausgeschlossen, ich glaube alles aufs Wort und bin eine vertrauensvoll ergebene Zuhörerin.
Sie Madeleine zu nennen, war anderen vorbehalten, einem illustren Kreis, so schien es mir aus angemessener Entfernung, zu dem ich nicht gehören konnte. Aber das hinderte mich nicht daran, Ursula Brackmann zu verehren und bei Ereignissen und Veranstaltungen als lebendiges Zentrum zu verstehen. Auch hier im Freundeskreis hat sie, wenn ich nicht irre, eine zentrale Rolle, ist nicht wegzudenken, und ich hoffe sehr, dass sie diese Rolle noch lange Jahre wahrnehmen wird.
Liebe Ursula Brackmann, liebe Madeleine, ich wünsche Dir alles Gute zum Geburtstag und noch viele schöne Jahre.