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Berlin, 14.11.2005
Verband deutscher
Schriftsteller (VS) in ver.di
PRESSEMITTEILUNG
Gemeinsame Erklärung deutschsprachiger und europäischer
Schriftsteller- und Übersetzerverbände zum Writers
in Prison Day 2005 am 15.11.2005
Die Klagen gegen Orhan Pamuk
- Es gibt kein Recht auf Unterdrückung der Meinungsfreiheit
-
Mit wachsender Unruhe beobachten wir die von nationalistischen
Kreisen in der Türkei gegen Orhan Pamuk vorgebrachten
Anschuldigungen. Auf Orhan Pamuk wartet nicht nur ein schon
vor längerer Zeit eingeleitetes Gerichtsverfahren wegen
angeblicher Beleidigung des Türkentums, er
soll nun auch noch wegen Verunglimpfung der türkischen
Armee vor Gericht gestellt werden.
Der diesjährige Preisträger des Friedenspreises
des deutschen Buchhandels hat nichts anderes als einen verantwortungsvollen
Umgang seines Landes mit der jüngeren Geschichte eingefordert,
wie das in den demokratischen Ländern Europas seit dem
Ende des Zweiten Weltkriegs selbstverständlich ist, und
er hat auf den hohen politischen Einfluß des türkischen
Militärs verwiesen.
Nicht die Äußerungen Pamuks beleidigen - daß
er sich auf Grund dieser Äußerungen vor Gericht
verantworten soll, ist beleidigend. Die Türkei hat keinen
größeren Fürsprecher als ihn, davon hätten
sich die Heimatschützer seines Landes bei Orhan Pamuks
Dankesrede für den ihm verliehenen Friedenspreis in der
Frankfurter Paulskirche leicht überzeugen können.
Es mag sein, daß die Befassung mit den dunklen Kapiteln
der eigenen jüngeren Vergangenheit schmerzvoll ist, ihre
Aufarbeitung hat aber jenseits der dafür bestehenden
internationalen Rechtsnormen und Rechtsinstanzen nichts vor
Gericht verloren, sondern sollte vielmehr in öffentlichen
Diskussionen geschehen, wie das auch in anderen Ländern
Europas, die durch Beteiligung oder Mitwirkung an Menschenrechtverletzungen
belastet sind, der Fall war und ist.
Wir fordern daher von den zuständigen Behörden
in der Türkei die Zurückweisung aller Versuche,
Orhan Pamuk mit Haftstrafen zu bedrohen oder gar ins Gefängnis
zu bringen. Darüber hinaus sind alle europäischen
Einrichtungen aufgefordert, geeignete Maßnahmen zur
Unterstützung von Orhan Pamuk zu ergreifen. Wir erklären
unsere Bereitschaft, Orhan Pamuk in jeder Weise bei der Wahrung
seiner Grundrechte als Bürger und Schriftsteller zu unterstützen.
PS.: Orhan Pamuk wird einer der Autoren sein, deren Texte
beim Writers in Prison Day des österreichischen P.E.N.-Club
und des österreichischen Writers in Prison Committee
am 15.11.2005 in der Wiener Michaeler Kirche ab 19.30 Uhr
gelesen werden.
Diese Pressemitteilung wird in den EU-Verkehrssprachen
an europäische und nationale Einrichtungen in den EU-Mitgliedsstaaten,
an die Medien und als Aufruf zur Unterstützung an Künstler/innen
in Europa verschickt.
Unterzeichet von:
IG Autorinnen Autoren, Wien/A
Österreichischer P.E.N.-Club, Wien/A
GAV - Grazer Autorenversammlung, Wien/A
ÜG - Übersetzergemeinschaft, Wien/A
AdS Autorinnen und Autoren der Schweiz, Zürich/CH
Deutsch-Schweizer PEN Zentrum, Wassern/CH
VS - Verband deutscher Schriftsteller, Berlin/D
P.E.N.-Zentrum Deutschland, Darmstadt/D
VdÜ - Verband deutschsprachiger Übersetzer e.V.,
Berlin/D
EWC - European Writers' Congress / The Federation of European
Writers' Associations,
FAEE - Fédération des associations européennes
décrivains, Europäischer Schriftstellerkongreß
/ Dachverband europäischer Schriftstellerverbände,
München/D
CEATL - European Council of Associations of Literary
Translators / Conseil Européen des
Associations de Traducteurs Littéraires / Europäischer
Dachverband der Literaturübersetzer-
Verbände, Brüssel/Belgien
International PEN, London
International PEN Writers in Prison Committee, London
European Council of Artists, Kopenhagen, Dänemark
Österreich, Schweiz, Deutschland, Belgien, Großbritannien,
Dänemark, 14.11.2005
Weitere Informationen :
Sabine Herholz, VS Geschäftsführerin
Tel. : (030) 69 56 23 28
E-Mail : vs@verdi.de
V.i.S.d.P. : Sabine Herholz
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