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Hans-Christian Oeser
nominiert für Maeve Brennan: Der Morgen nach dem großen Feuer
Hans-Christian Oeser, geboren 1950 in Wiesbaden, lebt seit 1980 in Dublin. Auf der langen Liste der von ihm übersetzten Autoren finden sich zahlreiche literarische Größen wie John Aiken, Ray Bradbury, Ian McEwan, F. Scott Fitzgerald, Muriel Spark, William Trevor und Oscar Wilde. Neben seiner Tätigkeit als Übersetzer hat er u.a. mehrere Irlandreiseführer verfasst und eine Reihe englischsprachiger Anthologien herausgegeben.
Seine Übersetzungen der erst zu Beginn dieses Jahrtausends wiederentdeckten irisch-amerikanischen Autorin Maeve Brennan liegen ihm insofern besonders am Herzen, als es seiner Initiative zu verdanken ist, dass 2003 die Novelle "Die Besucherin" auch auf deutsch erschienen ist. "Der Morgen nach dem großen Feuer" ist der mittlerweile vierte im Steidl Verlag veröffentlichte Band mit Erzählungen Brennans, an der Hans-Christian Oeser vor allem die schlichte Eleganz ihres Stils schätzt, ihre "Sätze von geradezu marmorner Härte" wie auch ihren "gnadenlosen Blick" auf ihre Figuren. Der humorvolle Ton mancher Erzählungen des aktuellen Bandes sei insofern für die Autorin eher untypisch.
Maxim Biller schrieb über "Die Besucherin":
"...[E]in wunderbares, unendlich trauriges Buch, dessen größter Zauber darin besteht, dass es den Leser nicht traurig macht, sondern hoffnungsfroh. Und zugleich ist da seine unwirklich schöne Sprache, die einen von der ersten Zeile an hypnotisiert - weich, klar, prägnant; poetisch, ohne zu viel bedeuten zu wollen; ruhig, aber auch mitreißend; jeder Satz ein Juwel, dessen Strahlen nicht blenden, sondern die Menschen, Gedanken und Dinge des Buchs leuchten lässt und so zum Leben erweckt. Nur wer wirklich schreiben kann, kann wirklich etwas erzählen. Und nur wer - wie Maeve Brennan - etwas zu erzählen weiß, hat einen so guten Stil. (...) Für mich war sie eine der größten Schriftstellerinnen des letzten Jahrhunderts." (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.12.2003)
Kostprobe aus der Erzählung "Plagegeist":
She was the ladies’-room lady in the sedate Royal Hotel in Dublin. Mary Ramsay, rough-voiced, rough-handed, rough-mannered in every way. Her tongue would take the skin off you, they said in the hotel. They were all afraid of her.
[...] One of the bolder hotel maids, a malicious, observant thing herself, said one time that she thought there was a man under Mary Ramsay’s skirts, she was that queer.
Sie war die Damentoilettendame im geruhsamen Royal Hotel in Dublin. Mary Ramsay, rauhe Stimme, rauhe Hände, rauhe Manieren in jeder Hinsicht. Mit ihrer scharfen Zunge könne sie einem die Haut abziehen, hieß es im Hotel. Alle hatten Angst vor ihr.
[...] Eines der frecheren Zimmermädchen, selbst ein tückisches, aufmerksames Ding, sagte einmal, es stecke bestimmt ein Mann in Mary Ramsays Röcken, so wunderlich sei sie.
(Aus Maeve Brennan: Der Morgen nach dem großen Feuer. Erzählungen. Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Göttingen: Steidl Verlag, 2009.)
Richard Barth
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