Preis der Leipziger Buchmesse 2009 in der Kategorie Übersetzung

Zurück zurück zur Übersicht der Nominierten

 

Michael Kellner

nominiert für: Naked Lunch von William S. Burroughs

Michael Kellner

Mit der Literatur der „Beat Generation“ beschäftigt sich Michael Kellner (geboren 1953 in Kassel) schon seit seiner Jugend. Er selbst schreibt dazu: „Die Lektüre der Romane von J. D. Salinger und Jack Kerouac sowie die Tanztheateraufführung von Allen Ginsbergs Gedicht ‚Howl’ am Kassler Schauspielhaus 1970 wurden prägend für literarische Vorlieben und Vorbilder.“ Er publizierte diese Literatur als Verleger, lud die Autoren zu Lesungen in seine und Hilka Nordhausens damalige ›Buch Handlung Welt‹ ein und hat nun Naked Lunch, eines der wichtigsten Werke der Literatur der „Beat Generation“, nach der ursprünglichen Fassung des Werks (erschienen 1959 in Paris) neu übersetzt. Diese dritte Übersetzung des Buches innerhalb von fast 50 Jahren orientiert sich vor allem an einem Statement des Autors, der 1960 in einem Brief an den Herausgeber der amerikanischen Ausgabe schrieb: »THIS IS NOT A NOVEL!«.


Die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse schreibt in ihrer Begründung: „Erstmals dringt Naked Lunch mit all seiner provozierenden Kraft, seinem grotesken Humor und seiner drastischen Unmittelbarkeit in die Sinne der deutschen Leser. Dabei ist Michael Kellners große Leistung, dass er in seiner Neuübersetzung den Sound Burroughs erlebbar macht.“

Michael Kellner lebt als Übersetzer, Lektor, Ausstellungsmacher und „nebenbei“ auch Fotograf in Hamburg. Er übersetzte u.a. Gedichte von Allen Ginsberg, Zappa – Eine Biografie von Barry Miles und Michael Tolliver lebt von Amistead Maupin.


Kostprobe:

»We friends, yes?«

The shoe shine boy put on his hustling smile and looked up into the Sailor´s dead, cold, undersea eyes, eyes without a trace of warmth or lust or hate or any feeling the boy had ever experienced in himself or seen in another, at once cold and intense, impersonal and predatory.

The Sailor leaned forward and put a finger on the boy´s inner arm at the elbow. He spoke in his dead, junky whisper.

»With veins like that, Kid, I´d have myself a time.«

»Wir Freunde, ja?«

Der Schuhputzjunge setzte sein Abzockergrinsen auf und schaute hoch in die toten, kalten Fischaugen des Seemanns, Augen ohne eine Spur von Wärme oder Verlangen oder Hass oder irgendein Gefühl, das der Junge je bei sich oder anderen erlebt hatte, gleichermaßen kalt und brennend, unpersönlich und raubtierhaft.

Der Seemann beugte sich vor und legte einen Finger in die Armbeuge des Jungen. Dann sagte er mit seinem toten Junkie-Flüstern:

»Mit solchen Adern, mein Junge, da könnt ich mir ein schönes Leben machen.«


Alice Jakubeit

 

Zurück zurück zur Übersicht der Nominierten